Malaysia

27. Dezember 2013 – 24. Januar 2014

17. – 23. Januar: Am Morgen musste ich in Penang noch schnell meine sieben Sachen packen, das bestellte Taxi wartete schon und die Besitzerin der Unterkunft war bereits mit dem Taxifahrer am Dealen für einen guten Preis zum Flughafen. Es gab noch schnell eine Last-Minute-Aktion, und so musste ich ein paar Ringgits (malaysische Währung) weniger für die Taxifahrt bezahlen. Der Flug nach Borneo war sehr angenehm und dauerte rund zwei Stunden. Eigentlich sollte ich hier eine Belgierin treffen, der ich bereits in Namibia über den Weg gelaufen bin, da sie auch für ein Jahr auf Weltreise ist und gerade zur gleichen Zeit in Borneo. Sie hat mir mitgeteilt, dass sie sich über alles erkundigt habe und ich nur aussuchen könne, welche Aktivitäten ich auf Borneo machen möchte. Einen Tag bevor ich ankam, schrieb sie mir, dass sie Borneo verlassen habe, da es die ganze Zeit nur geregnet habe. Nun, ich verübelte ihr das nicht, musste nun aber schnell selber organisieren, wie ich die nächsten Tage auf Borneo verbringen würde. Borneo ist eine echte Regenwald-Insel, übrigens die drittgrösste Insel der Welt. Der Süden gehört zu Indonesien, der Norden zu Malaysia, und dann gibt es ja noch den Mini-Staat Brunei. Die Schweiz hat dort eine Prinzessin, die mit dem Thronfolger von Brunei verheiratet ist, d.h. ihre Mutter ist Schweizerin. Dieser Mini-Staat ist Dank seiner Öl-Vorkommnisse ein sehr reiches Land, Steuern muss dort niemand bezahlen! Nun aber zurück nach Malaysia. Als ich in Kota Kinabalu, kurz KK genannt, ankam, war es sehr heiss und schwül, die Sonne schien. Wie heisst es doch so schön, wenn Engel reisen, dann… 😉 Als ich mein Zimmer im Hostel fand, lief mir der Schweiss nur so herunter. Ich musste mein – zugegebenerweise – viel zu schweres Gepäck vier Stockwerke hinaufschleppen. Im Zimmer war es mehr als 30° C warm. Und endlich wusste ich, warum alles dunkel war, praktisch kein Geschäft geöffnet, ja schon fast gespenstisch kam es einem vor. Im ganzen Staat Sabah war seit dem Morgen Stromausfall. Also nix mit Klimaanlage oder Ventilator, kein kühles Getränk und die letzten Eiswürfel hatten sich gerade in Wasser aufgelöst, sniff! Ich musste gleich wieder aus diesem Zimmer, dort hielt man es fast nicht aus. Also ging ich auf einen Erkundungswackel. Schliesslich wollte ich ja noch wissen, was ich alles machen konnte. In einem Reisebüro hat mir dann eine nette Dame viele Informationen gegeben, konnte jedoch nichts buchen wegen dem Stromausfall. Zu sehr später Stunde am Abend kam dann langsam der Strom wieder zurück, ein Strassenzug nach dem anderen, aber es dauerte. Ich glaube, die haben einfach alle Orang Utans zusammengetrommelt und auf ein Stromvelo gesessen und liessen diese trampeln! 🙂 Praktisch die ganze Nacht war ich wach, es war schlichtweg zu warm. Beim Schäfchen Nr. 5437 habe aber auch ich aufgegeben weiter zu zählen… 😉 Am nächsten Morgen bin ich zum Reisebüro zurückgegangen und habe zwei Ausflüge gebucht. Am gleichen Tag ging ich westwärts zum Garama-River, um eine Flussfahrt im Dschungel zu machen. Dort sahen wir ein paar Proboscis Affen, das sind diejenigen, die eine lange Nase haben (Nasenaffen). Als es dunkel wurde, sahen wir in gewissen Bäumen Glühwürmchen. Es sah fast aus als wäre es ein Weihnachtsbaum, der vor sich hin glimmert. Am nächsten Morgen ging es gleich weiter. Ich ging auf ein sogenanntes Insel-Hüpfen. Vor KK liegen ein paar Inseln, und man kann von einer zur anderen per Boot fahren. Eine Wanderung auf der einen, die nächste auf einer anderen Insel und noch schnell im Meer schwimmen gehen. Am nächsten Tag fuhr ich in den Kinabalu Nationalpark. Und, diesmal musste auch ich erfahren, warum der Regenwald Regenwald heisst. Ich weiss nicht, was der liebe Gott seinen Engeln angetan hat, aber diese weinten in vollem Mass… Der Mount Kinabalu ist mit 4091 m der höchste Berg in Südostasien. Wenn nicht gerade Regenzeit ist, dann kann man diesen relativ locker erklimmen. Wir sahen jedoch nur Nebelschwaden… Dennoch war es interessant, wir besuchten den Botanischen Garten und ein Natur-Thermal-Bad. Wir bekamen auch die grösste Blüte der Pflanzenwelt der Erde zu sehen, die Rifflesie. Sie kann bis zu 1,5 m im Durchmesser gross werden und blüht nur während 7 Tagen, dann ist bereits Feierabend. Am nächsten Tag stand eine Stadtbesichtigung an. Es ist nicht übertrieben, aber an diesem Tag lief ich mehr als 20 km, etwas Fitness muss auch sein. Ich habe mir wieder mal Sachen ausgesucht, die jeweils am anderen Stadtende sind… Der Kalender zeigte mir an, dass es inzwischen der 22. Januar war. Zeit um etwas Nostalgie einzuziehen. So bestieg ich den Nostalgiezug, angeführt von einer Dampflokomotive. Ich dachte, dass man die schöne Landschaft an einem vorbei passieren lassen kann. Nun gut, die Landschaft war nicht besonderlich, es war mehr ein Zugerlebnis, dafür haben wir ein sehr feines Essen erhalten. Dann war ja noch der letzte Tag in Malaysia. Es regnete wieder einmal… Es hat mir jedoch nichts ausgemacht, so konnte ich ein paar administrative Sachen erledigen. Malaysia hat mir sehr gut gefallen, es ist sehr abwechslungsreich, die Leute sind nett, sprechen gut Englisch, alles ist organisiert, es läuft einfach. Malaysia hat übrigens eine Arbeitslosenquote von gerade mal 3,2 %, ein Traumwert. Nun wartet aber ein neues Land auf mich oder eher umgekehrt, morgen geht es weiter auf die Philippinen. Ich freue mich auf neue Erlebnisse.

Thema Regenwald: Wenn man schon sozusagen im Regenwald ist, dann möchte ich dieses Thema kurz etwas näher bringen. Der tropische Regenwald ist eine Vegetationsform, die nur in immerfeuchten tropischen Klimazonen anzutreffen sind, d.h. vor allem in der Nähe des Äquators. Deshalb ist die Tageslichtdauer auch sehr konstant, die Sonne schaut täglich etwa 12 Stunden vom Himmel. Am Morgen, wenn sich bei zunehmender Sonnenstrahlung Luft und Boden rasch erwärmen, steigt das verdunstende Regenwasser als feuchtwarme Luft nach oben und es häufen sich am Himmel dichte Wolken. Am Nachmittag und abends regnen diese Wolken aus. In den Regenzeiten sind die Niederschläge besonders intensiv. Die jährliche Niederschlagsmenge ist fünf Mal höher als bei uns in Mitteleuropa. Den Regenwald nehmen wir auch optisch mit der Flora zur Kenntnis. Dabei wird diese in verschiedenen Stockwerkbauten unterschieden, d.h. von Wurzelpflanzen bis zu den ganz hohen Bäumen gibt es verschiedene Höhenniveaus der Pflanzen. Der weltweit grösste Regenwald steht in Brasilien. Wenn wir nun alles abholzen, dann kann der Regen nirgends mehr aufgenommen werden, und wir wissen was dann passiert. Also, tragen wir Sorge zu unserer Umwelt, und noch etwas, bitte den Regenschirm nicht vergessen!

 

9. – 16. Januar: Ach ja, ich bin in einem muslimischen Land, übrigens das einzig offizielle auf meiner Weltreise, das habe ich beinahe vergessen. Leider war die Moschee gleich hinter meiner Unterkunft, und diesem Muhezzin (gebetsschreiender Priester) hätte ich am liebsten den Kopf umgedreht. Schon zum zweiten Mal in Folge wurde ich bereits vor sechs Uhr früh aus dem Tiefschlaf gerissen. Wer zum Teufel hört um diese Zeit diesem Joggel eigentlich zu? Vermutlich niemand, sonst müsste er die Gebete nicht über die Lautsprecher laufen lassen… 😉 Allah hier, Allah da, Allah überall, bei mir jedoch nicht. 🙁 Ausgiebig war das Gebet, mind. 20 Minuten, und das ist nicht einmal übertrieben. Gerne hätte ich als Streich das Hauptkabel zu den Lautsprechern beim Minarett ausgezogen! 😉 Wie wäre es, wenn in der heutigen Zeit der modernen Kommunikation für alle Anhänger eine What’s up-Gruppe gebildet würde? Das wäre doch für alle angenehmer. Aber eben, schliesslich bin ich Gast hier und ich habe mich den Gegebenheiten anzupassen, und es gibt weitaus schlimmeres… So machte ich mich auf den Weg zum Bus, der mich nach Ipoh fuhr. Ipoh? Was ist denn das für eine Stadt? Das ist wirklich eine no-name Stadt. Im Internet habe ich ein paar schöne Bilder gesehen, und so dachte ich, dass ich doch zwischen den Cameron Highlands und der Badeinsel Langkawi einen Zwischenstopp einlegen könnte. Reisenden, denen ich unterwegs begegnet bin, meinten, es sei wirklich keine spezielle Stadt, die könne ich locker links liegen lassen. Als ich dort ankam, besorgte ich bei der Touristeninformation eine Karte. Auf sehr nette Weise wurde ich mit Karten und Prospekten eingedeckt. Und so machte ich mich auf einen auf einem Stadtplan eingezeichneten Spaziergang. Erste Station war der Bahnhof, der hier schon fast liebevoll „Taj Mahal of Ipoh“ genannt wird. Nun gut, vom Taj Mahal ist dieser Bau ziemlich weit weg, aber ich finde es einen sehr schönen Bahnhof. Dank dieses Spaziergangs konnte ich viele schöne Bauten und Monumente anschauen. Also, mir hat Ipoh gut gefallen, schaut euch doch mal selber die Bilder an. Natürlich gehörten auch ein paar Tempel zum Programm, diesmal waren es vorwiegend buddhistische. Und zum ersten Mal seit ich unterwegs bin, habe ich meinen Regenschirm aufgespannt. Ich denke, das ist doch eine gute Schönwetterausbeute, wenn ich den Regenschirm bis anhin nicht gebraucht habe, oder?! Bei einem Tempel verkaufte mir eine Frau Grünfutter. Ich verstand, dass ich dieses vor dem Buddha als Hingabe, resp. Spende hinlegen sollte. Schliesslich muss ich doch schauen, dass das „Räntzli“ vom Buddha nicht kleiner wird… 🙂 Das war ein Missverständnis, der Buddha ist nicht etwa auf Diät, nein, das Grünfutter war für die Schildkröten gedacht, die hier schon fast heilig sind. Ach du grüne Sch…, die Frau und ich haben uns dann doch noch verstanden, und so durfte ich das Grünfutter den Schildkröten über den Zaun werfen. Es schien, als hätte es geschmeckt. Per Flugzeug bin ich nach zwei Tagen nach Langkawi geflogen. Diese Insel ist die beliebteste zum Baden in Malaysia und befindet sich ganz im Norden zur Grenze nach Thailand an der Westküste. Ich kam am späteren Nachmittag an, es war ziemlich wolkig. Mein Gefühl sagte mir, dass es wieder einmal einen schönen Sonnenuntergang geben könnte. Dies traf voll zu! Am nächsten Tag mietete ich mir einen Drahtesel! Dieses Gefährt verdient auch keinen anderen Namen. Es hatte nur einen Gang, und leider liess sich der Sattel nicht verstellen, er war zu tief. Nun gut, wegen diesen paar Kilometern machte ich dann auch kein Büro auf, schliesslich wollte ich einen Teil der Insel erkunden. So fuhr ich zum Langkawi Hill und zu Wasserfällen. Ich war weit und breit der einzige Velofahrer. Aber es war es wert. Da ich immer etwas am unternehmen bin, musste ich mich noch beinahe beeilen, um in meine Badehösli zu steigen um im Meer zu schwimmen, einfach herrlich! Das wäre ja tragisch, wenn ich nicht einmal zum schwimmen kommen würde! Am nächsten Morgen buchte ich eine Bootstour, Island Hopping hiess diese. Wir besuchten drei verschiedene Inseln, war ganz schön, wenn auch sehr touristisch. Die Leute hier in Malaysia sind sehr nett. Nicht das erste Mal kommt auf einmal ein „Müeti“ daher, und gibt mir Biscuits oder Schoggi und alle wollen wissen, woher denn dieser Exot kommt? Oh, very nice country, Switzerland! Und schon gibt’s die Zusatzportion Biscuits. Oder, zwischendurch fragen mich die Leute, ob sie ein Foto mit mir machen dürften. Klar doch… Der Kalender schrieb inzwischen den 14. Januar. Per Fähre fuhr ich südwärts auf die Insel Penang. Dort bezog ich ein sehr einfaches Zimmer in der ebenfalls unter UNESCO-Weltkulturerbe stehenden Stadt George Town. Die Stadt fand ich schön, es hat hat einmal mehr viele Tempel und was ich speziell fand, ist die sogenannte Street Art. Da werden an Häusern in der Altstadt Zeichnungen mit zum Teil richtigen Gegenständen vermischt. Es stehen ein paar Bilder dazu im Blog. Mit dem Bus und der Standseilbahn bin ich auf den höchsten Punkt von Penang gefahren, eine tolle Aussicht. Zudem besuchte ich den grössten buddhistischen Tempel in Südostasien. Dieser wird gerade für das chinesische Neujahr am 31.01./01.02. herausgeputzt und dekoriert. Am Folgetag machte ich im Nationalpark eine nicht allzu anspruchsvolle Wanderung zum Turtle Beach (Schildkröten Strand), jedoch waren weit und breit keine Schildkröten zu sehen. Na klar, die kommen vor allem nachts aufs Land… Das war dann auch mein letzter Tag auf dem westlichen Teil von Malaysia. Weiter geht es auf die Insel Borneo, die im Osten von Malaysia liegt, der Dschungel wartet.

Thema längste Brücken der Welt: Penang ist mit einer 13,5 km langen Brücke mit dem Festland Malaysias verbunden. Dies ist doch schon eine recht lange Brücke, aber bei weitem nicht die längste der Welt. Seit 2008 wird im Süden von Penang eine neue Brücke gebaut, die dann 23 km lang sein wird. Wo stehen die längsten Brücken über Wasser der Welt? Als Vergleich nehme ich die Öresundbrücke, die Kopenhagen mit Malmö verbindet. Sie ist 7,8 km lang. Europarekordhalter ist jedoch Portugal mit der Vasco da Gama-Brücke mit 17,2 km. Die Plätze drei und zwei weltweit halten die USA mit der Mancha Swamp Brücke, die 36,7 km lang ist, resp. dem Lake Pontchartrain Causeway mit 38,4 km. Weltrekord hält China, mit einer 42,5 km langen Meeresbrücke. Man stellt sich vor, man könnte darauf in einer Richtung einen Marathon laufen, inkl. Dusche…

 

3. – 8. Januar: Noch das letzte Mal für längere Zeit ein wirklich leckeres Morgenessen in einem 5*-Hotel und dann ging es für mich frühmorgens weiter in den Dschungel. Nach ungefähr 3 Stunden Busfahrt kamen wir am Rande des Dschungels an. Mit einem sehr einfachen Motorboot, mussten wir 69 km flussaufwärts fahren, um in das Dorf Kuala Tahan im National Park Taman Negara zu gelangen. Von dort wurden wir über das Programm instruiert, da ich gleich eine Tour gebucht habe. Gewohnt habe ich in einem Hostel, sehr einfach, aber zweckmässig. Die Tour bestand darin, am Abend einen Nachtspaziergang im Dschungel zu machen, am nächsten Tag über die längste Fussgänger-Hängebrücke der Welt zu laufen und auf einen Aussichtshügel hinauf zu kraxeln. Am Nachmittag war noch ein Besuch in einem einheimischen Dorf geplant. Der Nachspaziergang war spannend, man musste ja nie recht, was da so auf einem zukommen würde. So viele Tiere wie erwartet haben wir dann auch wieder nicht gesehen. Dennoch entdeckten wir ein paar Spinnen, giftige und weniger giftige, eine kleine Baumschlange (ungiftig), und natürlich ein paar Insekten, Käfer und Raupen. Begleitet wurde das Ganze akustisch von Grillen. Und dann hörten wir immer diese Schauermärchen über die Blutegel, die über einem herfallen. Auf jeden Fall sah ich keinen einzigen, oder ich war zu wenig attraktiv für sie… 😉 Die Vegetation im Dschungel ist schon sehr schön. Da ragen Gräser, Büsche und Bäume hervor, einfach herrlich. Die höchsten Bäume können bis über 60 Meter hoch werden, das ist schon imposant. Der Spaziergang über die längste Fussgänger-Hängebrücke hat mir gut gefallen. Wir konnten bis ca. 40 Meter über Boden von Baumkrone zu Baumkrone laufen. Leider war die Hälfte der Hängebrücke wegen Unterhaltungsarbeiten geschlossen, und somit war ich halt doch nicht auf der längsten Hängebrücke der Welt! Sobald man innerhalb des Regenwaldes ist, wird es naturbedingt sehr feucht und warm. Da ist die Gratis-Sauna auch gleich mit dabei. Der Ort Kuala Tahan ist doch sehr touristisch, und ich denke, deshalb sieht man hier auch nicht wirklich viele Tiere. Um ehrlich zu sein, hat es mir nichts ausgemacht, wenn es nicht zu viel gekrabbelt und gezischt hat. Die Vegetation war dennoch erlebnisreich. Am liebsten hätte ich Tarzan gespielt, überall hingen Lianen herunter. Da jedoch keine Jane in Aussicht war, liess ich es dann aber sein… 😉 Nach dem Dschungeltrip ging es mit dem Boot wieder aus dem Nationalpark hinaus, diesmal brauchten wir eine Stunde weniger, da wir mit der Flussströmung fahren konnten. Am Ende der Bootsfahrt bestieg ich einen Minibus, der mich ins Hochland brachte, zu den Teeplantagen in den Cameron Highlands. Es sah genau so aus wie in Indien, diese immergrünen Teebäume sind für mich auch eine Augenweide. Wie fast überall schaute ich, dass ich auf eine Tour mitgehen konnte. Da wird man erstens herumgeführt und zweitens erfährt man auch immer einiges über Land, Leute und Produktion. Unter anderem besichtigten wir eine Teeproduktionsfirma und machten eine Wanderung im Moosregenwald, eine feuchte Angelegenheit… Die Temperaturen waren natürlich auf 1500 – 1800 m.ü.M. spürbar kälter, aber für meinen Begriff sehr angenehm.

Thema Tee: Wenn man schon in den Teeplantagen ist, dann muss ich mich doch fast dieser Pflanze, resp. diesem Getränk annähern, schliesslich bin ich ja auch ein Teetrinker. Wie wird Tee hergestellt? Als erstes werden die obersten Blätter und Knospen der Teebäume geschnitten, je nach Qualität nur gerade die obersten Blätter, in der Regel die vier letzten. Geerntet wird übrigens das ganze Jahr, alle drei Wochen werden die Bäume, resp. die Blätter geschnitten. Für alle Tees gibt es den gleichen Strauch, resp. Baum. Der Unterschied der verschiedenen Tees liegt in der Herstellung. Für den klassischen Schwarztee gibt es fünf Prozesse. Als erstes werden die Blätter angetrocknet, so dass ca. 50 % der Flüssigkeit aus den Blättern heraustritt. Dies dauert ungefähr 12 Stunden, wird meistens über Nacht gemacht. Dies nennt man Welken. Dann werden die Blätter maschinell zwischen zwei Scheiben gerollt. Damit werden die Stengel entfernt und die Blätter setzen ätherische Öle frei. Beim dritten Prozess werden die Blätter, resp. die Masse nach Qualität sortiert. Da die Blätter ätherische Öle freisetzen, gibt es nun bei der vierten Station eine chemische Reaktion, die Fermentation. Da werden die ursprünglich grünen Blätter braun, bis dunkelbraun. Dies ist dann auch die Farbe des Schwarztees (warum eigentlich Schwarztee, ist doch braun…?, wird in Ostasien als roter Tee bezeichnet!). Beim letzten Prozess wird nun die ganze Masse getrocknet, abgefüllt und verkauft. Beim Grüntee verzichtet man gewollt auf die Fermentation, deshalb bleibt die Masse grün, und man hat Grüntee. Das ist eine Kurzfassung zur Herstellung von Tee. Nun kommt natürlich noch die Geschichte mit den Aromen sowie Früchte- und Kräutertees dazu… Ja, dann mal abwarten und Tee trinken!

 

27. Dezember 2013 – 2. Januar 2014: In Singapur bestieg ich am Morgen den Bus, das Ticket hatte ich bereits Tage zuvor gepostet. Vom Stadtzentrum brauchten wir etwa eine Stunde bis zur Grenze. Da ging die Post ab! Etwa im Minutentakt hält ein Bus nach dem anderen. Dann müssen natürlich alle Passagiere aussteigen, um den Ausreisestempel von Singapur in den Pass zu bekommen. Wer nun meint, in Singapur sei alles top-organisiert, der kann sich auch täuschen, auf jeden Fall, wenn es um die Ausreise geht. Fünf Viertelstunden mussten wir anstehen, bis wir den Stempel kriegten. Auf einmal wurden Erinnerungen aus Afrika wach, dort brauchte ich ja auch jeweils eine Ewigkeit, um in ein anderes Land zu gelangen. Nach Erhalt des Stempels steigt man wieder in den Bus und fährt auf die malaysische Seite, dauerte sage und schreibe rund 3/4 Stunden, da es ziemlich Verkehr hatte. Wenn man drüben ist, muss man sein Gepäck nehmen und bei der malaysischen Immigration anstehen. System? Was ist das genau? Etwa der neue Brotaufstrich von der Migros? 🙂 Auf jeden Fall kennt man das hier in Südostasien nicht wirklich. Zu hunderten, ja zu tausenden pro Tag strömen Einreisende in das Gebäude vom malaysischen Zoll, von links, rechts, hinten, vorne, einfach von überall kommen die Leute mit ihrem Gepäck, und das bei über 30° C und einer ziemlich hohen Luftfeuchtigkeit. Aber irgendeinmal ist man auch dran, um einen Stempel im Pass reicher, und die blauen Zehen kriegt man auch umsonst, schliesslich muss man ja irgendwo hinstehen und sein Gepäck deponieren… Dann muss man seinen Bus wieder suchen, dieser muss umparkiert werden. Nach insgesamt über drei Stunden war ich in Malaysia! Dabei wurde mir dann mitgeteilt, dass der Bus nur 20 Minuten an der Grenze auf einem wartet, sonst fährt er weiter. Nun bei einem solchen Chaos spielt die Zeit auch nicht mehr so eine grosse Rolle, und der Bus wartete auf alle Passagiere. Nach etwa drei weiteren Stunden kam ich in Malacca an, meine erste Station in Malaysia. Diese Stadt steht unter UNESCO-Weltkulturerbe. Es hat einen wirklich schönen historischen Stadtkern, ansonsten ist diese Stadt nichts besonderes. Speziell sind die Rikschas dort, kitschiger könnten sie nicht sein. Jedes ist mit Teddys, Hello-Kitty-Katzen oder sonstigem Klimbim geschmückt, am Abend strahlen sie mit dem Stern von Bethlehem um die Wette, und jedes hat eine Riesen-Stereoanlage, wohl das teuerste an der Rikscha. Man hat das Gefühl die Rikschas kommen hüpfend daher, so laut wird die Musik abgespielt. Die fahren einem in der ganzen Stadt umher. Ich machte noch eine Flussfahrt, die war ganz nett, vor allem kann man auch am ganzen Ufer entlang schlendern. Die Besitzerin des einfachen Hotels, wo ich hauste, war sehr nett und fuhr mich am Morgen vom 30.12. zum Busbahnhof, wo ich in einen Bus nach Kuala Lumpur einstieg. Unterwegs gab es einen Knall, aber eher einen diskreten. Meine erste Reaktion war der Griff zu meinen Schuhbändeln, das kenne ich ja aus Südafrika. Nein, diesmal brauchte es meine Schuhbändel nicht, der Reifen war alle. So fuhren wir zur nächsten Tankstelle, die zum Glück nicht weit weg war. Auf einmal eine Diskussion, ich verstand nur KL (steht für Kuala Lumpur), da sich meine malaysischen Sprachkenntnisse in Grenzen hielten… Ich fragte nach, der Fahrer deutete auf einen anderen Bus, ich solle doch in diesen einsteigen, da dieser auch nach Kuala Lumpur fahre. Noch schnell mein Gepäck nehmen, rein in den nächsten Bus, und weiter ging’s. Auf einmal hielt der Bus irgendwo. Ich hatte keine Ahnung wo ich war. Ich ging dann mal in ein modernes Gebäude, es hatte auch ein paar Schienen etwas weiter entfernt. Bei der Info teilte man mir mit, dass ich nun mit dem Zug nach Kuala Lumpur fahren könne. Sir, hier noch eine Karte, wo Sie umsteigen müssen. Dankeschön, mache ich doch! Es dauerte rund eine halbe Stunde, dann war auch ich in KL. Vom Stadtzentrum noch in einen Monorailzug und schon war ich beim Hotel. Dort habe ich mit Michu abgemacht, der ja auch auf einer Weltreise ist. Ich freute mich wirklich, Michu wieder mal zu sehen. Da wir also zusammen über die Silvestertage waren, buchten wir ein Zimmer in einem 5*-Schuppen, man gönnt sich ja sonst nichts. In Asien sind die Preise auch entsprechend humaner, und so lag dies gerade noch im Budget… 😉 Wir konnten uns natürlich über unsere Erfahrungen austauschen und einfach die Zeit zusammen geniessen. Wir erkundeten die Stadt gemeinsam, am Silvester gingen wir zu den berühmten Petronas-Towers, wo es eine Riesen-Party mit Feuerwerk gab. Während mehr als drei Stunden wurde auch ein Wasserspiel organisiert, wirklich sehr beeindruckend. Es strömten immer mehr Leute auf das Gelände, mir war auf einmal nicht mehr so wohl. Ein Gedränge, ich hoffte einfach, dass hier keine Panik ausbrechen würde. Aber es geschah zum Glück nichts. Michu hatte leider mit den Tücken seines Magens zu kämpfen, weshalb er etwas auf Sparflamme war. Es tat mir wirklich Leid für ihn, aber eben, da kann man nichts machen. Nach vier Tagen war dieses Gastspiel bereits zu Ende, ich fuhr Richtung Dschungel, Michu reiste nach Australien weiter. Adieu, Michu bis in 9 Monaten wieder! Es war wirklich toll, einen Freund auf der Reise zu treffen.

Thema Öl: Malaysia ist bei uns nicht sehr bekannt. Was weiss man schon darüber? Diejenigen, die den Sport verfolgen, wissen, dass es jährlich ein Formel 1-Rennen in Malaysia gibt. Die grösste Öl- und Gas-Förderungsfirma heisst Petronas. Dies ist die Abkürzung von Petroliam National Berhad. Die Firma befindet sich in Staatsbesitz und gehört zu den 500 grössten Unternehmen der Welt. Die bauten auch die bekannten Petronas-Towers, die ihr auf meinen Bildern sehen könnt. Es liegt auf der Hand, dass der Hauptsitz sich dort befindet. Diese Firma war ja auch der erste Partner von unserem Formel 1-Team, dem Petronas-Sauber-Team, wenn ihr euch noch erinnern mögt, von 1997 bis 2009. Die Firma betreibt auch Tankstellen im Land, im Moment gegen 900. Ein Liter Benzin kostet hier gerade mal umgerechnet 60 Rappen… Von solchen Preisen können wir in Europa nur träumen.

Malaysia

27. Dezember 2013 – 24. Januar 2014

Melakka – Kuala Lumpur – Taman Negara – Cameron Highlands – Ipoh – Langkawi – Penang – Kota Kinabalu (Borneo)

Hauptstadt: Kuala Lumpur

Bevölkerung: 28.34 Mio.

Fläche: 329.758 km²

Veröffentlicht unter Asien

Singapur

23. – 27. Dezember 2013

23. – 27. Dezember: Frühzeitig liess ich mich an den Flughafen von Delhi fahren. Man weiss ja nie, wie lange das ganze Prozedere dauert an den indischen Flughäfen. Diesmal war ich positiv überrascht, alles ging reibungslos, ausser dass ein paar Inder einmal mehr bei der Sicherheitskontrolle drängelten, von hinten einem non-stop in die Beine stiessen oder einfach zuvorderst bei der Warteschlange hinliefen. Nun gut, im indischen Wortschatz existiert das Wort Anstand gar nicht! Es ging sogleich weiter so. Im Flieger hat eine Dame etwa 5 Handgepäckstücke mitgenommen und diese überall in die Gepäckfächer verstaut und den Gang blockiert. Die nachfolgenden Passagiere fluchten und drängelten. Erst nach etwa 5 Minuten sah ich, dass ich in der gleichen Reihe sass wie diese Dame. Ja, und das war erst der Anfang. Sie meckerte die ganze Zeit herum, wollte schon was zum Trinken bevor wir in der Luft waren. Der Sitz war auch nicht recht, und sowieso war alles nicht in Ordnung. Wohlwissend, wir flogen Singapore Airlines, eine wirklich Top-Airline. Einmal in der Luft verteilten die Flight Attendants die bestellen Spezialmenüs. Und warum bekommt dann die Dame ihr Essen nicht auch schon jetzt und muss warten? Und endlich kam unsere Reihe dran. Ich bestellte ein internationales Menü. Die Flight Attendant verwechselte offenbar das Essen und gab mir ein indisches Lammgericht. Die meisten von euch wissen, dass ich kein Lammfleisch esse, weshalb ich mir erlaubte, der Flugbegleiterin die Mahlzeit zurück zu geben. Au weja, das hätte ich lieber sein lassen. Von der netten Damen wurde ich zusammengestaucht, was mir einfalle, das sei schliesslich ein indisches Essen und könne es wenigstens meinem Sitznachbar weitergeben. Freut mich, Madame, Sie kennen zu lernen… Was sie nicht wissen konnte, war, dass sie just in diesem Moment mit ihrer Aussage den berühmten Tropfen zu viel ins volle Fass goss, der dieses zum Überlaufen brachte. Ich bin ja wirklich ein friedliebender Mensch und schon gar nicht aggressiv, aber am liebsten hätte ich sie gefragt, ob sie ihre Morgenklatsche bereits erhalten habe. Ich wies sie dann mal zurecht, dass sie das erstens nichts angehe, zweitens der Gentlemen neben mir ein vegetarisches Essen bestellt hatte, und drittens, dass sie dieses Essen gerne haben könne, schliesslich sei dies ein indisches Essen. Offenbar haben meine Worte ihre Wirkung nicht verfehlt, auf einmal war Ruhe, Ruhe während dem ganzen Flug, welche Wohltat! Sie ass übrigens ihre in Alufolie eingepackten und selber mitgebrachten Sandwichs… Es gibt übrigens ein Föteli, das diese Situation symbolisch nicht besser beschreiben könnte… 😉 In Singapur fuhr ich zu meinem gebuchten Hostel, das ziemlich zentral lag. Am nächsten Morgen machte ich erst einmal eine Stadtrundfahrt, um mich ein wenig zu orientieren. Die Wetterprognosen waren nicht umwerfend, Regenwolken irrten umher. So entschloss ich mich, in den empfohlenen botanischen Garten zu gehen, wo es auch den weltgrössten Orchideen-Garten zu bestaunen gab. Auf den Bildern könnt ihr gerne die schönen Orchideen anschauen. Singapur ist eine echte Weltstadt, und welch Unterschied zu Indien! Die Stadt gefiel mir sehr gut, wobei sie noch schöner wird, sobald Dunkelheit einbricht, wie ihr auf den Fotos erkennen könnt. Und ich konnte mich frei bewegen wie ein Vogel, wie herrlich. Am nächsten Morgen ging ich aufs Riesenrad, um die Stadt von oben zu besichtigen. Beim Anstehen schupste mich jemand von hinten ein paar Mal ins Bein. Als ich mich umdrehte, stand eine in einen Sari gewickelte Frau…, nice to meet you Madam… 😉 Am Abend gibt es bei der Marina Bay eine Laser-Show, bei den sogenannten Supertrees eine Licht- und Musikshow, alles umsonst. Das liess ich mir nicht nehmen, es lohnte sich. Am dritten Tag in Singapur ging ich auf die Insel Sentosa. Dies ist eine Vergnügungsinsel. Für jeden wird etwas geboten, vom Aquapark, über die Universalstudios, Casino, Musical bis hin zu echten Badestränden, alles ist vorhanden. So kann man ohne weiteres seine freie Zeit dort verbringen so lange man will. Ach ja, es war noch Weihnachten, das habe ich beinahe vergessen. Um ehrlich zu sein, kam bei mir nicht wirklich Weihnachtsstimmung auf. Dennoch habe ich an alle euch gedacht. Um noch etwas näher bei euch zu sein, ging ich ins Marché (Schweizer Restaurantkette) – möget mir dies verzeihen – und ass eine wirklich feine Rösti mit Spiegelei. Ich habe auch verschiedene Weihnachtsbäume bildlich eingefangen. Die Besitzerin des Hostels sagte mir bei Ankunft, dass wenn es regnet, man einfach ins nächste Shoppingcenter gehen soll… Singapur ist ein einziges Shoppingparadies. Das ist wirklich unglaublich, da steht ein Einkaufszentrum nach dem anderen. Mein Shopping beschränkte sich aufs Eye-Shopping… Und schon bald verliess ich diesen Insel- und Stadtstaat Richtung Malaysia.

Thema Strafe in Singapur: Wie ihr alle wisst, hat Singapur den Ruf der saubersten und ordentlichsten Stadt der Welt. Aber wie sieht es aus, wenn man dagegen verstösst? Vandalismus und Graffiti können Geldstrafen sowie auch Prügel mit dem Rohrstock zur Folge haben. Der Verkauf von Kaugummi war von 1992 bis Mai 2004 verboten. Die Einfuhr von Kaugummi ist verboten, ausgenommen solcher zum medizinischen Gebrauch. Mittlerweile ist der Verkauf von Kaugummi zwar gestattet, jedoch weiterhin stark eingeschränkt. Der Käufer muss ein Arztrezept und seinen Personalausweis vorzeigen. Weitere Beispiele gefällig? Bitte schön: Singapur ist das einzige Land der Welt, in das Zigaretten nicht duty free eingeführt werden dürfen. Die Geldstrafe für die Einfuhr einer Stange Zigaretten beträgt das zehnfache des Preises innerhalb Singapurs (derzeit 110 SGD, folglich 1100 SGD, also rund 800 CHF). Selbst wenn man eine angebrochene Schachtel mit sich trägt, darf diese maximal 17 Zigaretten beinhalten. Nun, kümmert mich persönlich nicht gross, da ich ja Nichtraucher bin… 🙂 Oder, hohe Geld- und Sozialarbeitsstrafen (z. B. mit einer neonleuchtenden Weste und der Aufschrift „ORDER FOR corrective work“ den Strand säubern) werden gegen Personen verhängt, die Müll (auch Zigarettenkippen) achtlos auf die Straße werfen. Wer nach Singapur reist, hat gefälligst zu parieren!

 

Veröffentlicht unter Asien

Mumbai + Kerala

8. – 22. Dezember 2013

16. – 22. Dezember: Am Morgen fuhren wir in Periyar in den Nationalpark, um eine Bootsfahrt zu machen. Irgendwie hat es mit der Buchung nicht geklappt, weshalb wir nicht um die gewünschte Zeit aufs Boot steigen konnten. So mussten wir halt 1 1/2 Stunden warten. Die Gegend um den See ist wirklich schön. Während der ganzen Bootsfahrt muss man jedoch die Schwimmweste tragen, kann warm werden. Am Ende des Sees sahen wir dann noch eine Elefantenherde, habe ich aus Afrika bereits etwas vermisst. Aus dem See ragen Baumstämme, es sah recht mystisch aus. Nach der Bootsfahrt fuhren wir weiter, wieder in etwas tiefere Lagen, auf Meereshöhe. Dort übernachteten wir in einer wirklich schönen Hotelanlage, welche direkt an den sogenannten Backwaters lag. Die Backwaters ist ein Seen- und Flusssystem von insgesamt 1900 km, das etwas versetzt vom Meer liegt, jedoch damit verbunden ist. Unser Fahrer holte uns am nächsten Morgen ab, um uns zu einem Hausboot zu chauffieren, das wir gebucht hatten. Das gönnten wir uns. Da kann man 24 Stunden oder länger ein solches Hausboot mieten, wo man durch die Backwaters sich fahren lassen kann. Dabei wird man ausgezeichnet verköstigt und man schläft auch darauf, ein einmaliges Erlebnis. Es ist sehr gemütlich, die Landschaft ist wunderschön, wie ihr auf den Bildern sehen könnt. Und endlich kann man seine Seele baumeln lassen, wobei auch auf dem Wasser die Hupe nicht fehlen darf… Entlang der Flüsse wohnen die Leute in ihren Häusern. Überall hört man Schläge. Aber was ist das? Es sind Hausfrauen, welche im Fluss stehend ihre Wäsche waschen und eben die Wäsche ausklopfen, wie im vorletzten Jahrhundert, und das ist ja nicht einmal übertrieben. Gegen den Sonnenuntergang ankert das Schiff an seinem bestimmten Platz, wo man dann die Nacht verbringt. Am nächsten Morgen fuhren wir zu unserem Abfahrtsplatz, wo uns der Fahrer abholte, und weiter ging’s ans Meer. Ganze drei Tage verbrachten wir ganz im Süden von Indien. Unterwegs meinte unser Fahrer, dass er einen Ort kenne, wo es ein sehr gutes Shake gibt. Ja, also dann, halten wir doch an. Für unseren gesunden Menschenverstand hätten wir da nicht Halt gemacht, es machte einen nicht besonders sauberen Eindruck. Ich sah mich bereits vorübergehend als bester Kunde vom Hackle-Toilettenpapier. 😉 Zum Glück traf dies nicht zu, und das Shake, ein Traum. Ich weiss nicht, wann ich in den letzten Jahren ein solch feines Shake getrunken habe. Es war gefrorene Milch, Bananen, ein Löffel Schocki-Pulver, dies wird gemixt und zuoberst noch ein paar Cashew-Nüsse. Gehaust haben wir gleich neben dem Strand in einer guten Hotelanlage in Kovalam. Kaum läuft man aus der Hotelanlage an den Strand, schreit es bereits: Hello my friend! Nein, nicht schon wieder, ich will doch endlich meine Ruhe. Liegestühle, Restaurants und sonstige Läden werden einem zum besten angepriesen… Inzwischen hatten wir ja Erfahrung sammeln können, wie man solch hahahartnäckige Typen abfertigt. Die Temperatur des Meeres war sehr warm, angeschrieben war nirgends etwas, aber ich schätzte es auf mindestens 26° C. Natürlich durfte auch die Ayurweda-Massage nicht fehlen, schliesslich ist man ja hier nicht alle Tage. Dann fuhren wir wieder nach Kochin zurück, unterwegs natürlich der Halt beim Shake-Laden. Dort werden übrigens 250 Shakes im Tag verkauft. In Kochin trennten sich dann die Wege von Nadia und mir. Am frühen Morgen bestieg ich den Flieger nach Delhi, von wo es am 23.12.2013 weitergeht oder ging (je nach Zeitpunkt des Lesens dieses Berichts), nach Singapur. Es ist/war die letzte Nacht in Indien. Und wie sieht es jetzt aus mit diesem Land? Komme ich bald zurück oder nie wieder? Ich habe keine so krasse Einstellung. Die Frage muss ich mit weder noch beantworten. Indien ist auf der einen Seite wirklich ein schönes und faszinierendes Land, hat für mich persönlich im Süden an Goodwill aufgeholt. Es ist aber auch im Norden schön mit all der Kultur. Einfach die Leute sind zum grossen Teil anstrengend und haben oft keinen Anstand. Ich nehme die positiven Eindrücke mit in meinen Rucksack, die negativen lasse ich zurück. Ich freue mich aber auf neue Erlebnisse in Singapur, wo ich die Weihnachten verbringen werde.

Thema Curry: Was wäre Indien ohne Curry? Ich kann Indien fast nicht verlassen, ohne dieser Mahlzeit einen kleinen Bericht zu widmen. Was ist eigentlich Curry genau? Curry, wörtlich Sauce, ist eine aus Indien stammende Bezeichnung für verschiedene Eintopfgerichte auf der Basis einer sämigen Sauce mit verschiedenen Gewürzen und Zugaben von Fleisch, Fisch und/oder Gemüse. Currygerichte haben sich auch ausserhalb des indischen Subkontinents durchsetzen können. Bei uns ist es ja klassisch eine gelbe Sauce, in der wir Poulet- oder Truthahnfleisch (Hähnchen oder Pute) mischen, ein paar Verrückte tun ja noch Früchte dazu… 😉 Hier in Indien sieht es ein wenig anders aus. Das ist wirklich ein Eintopf mit Gemüse und Fleisch oder Fisch, ist eher dickflüssig. Dazu isst man Reis oder Fladenbrote. Jede Region in Indien hat seine eigene Gewürzmischung (Masala), die das ganze ausmachen. Es kann ganz schön scharf sein… 🙂 Bei der Bestellung muss man halt angeben, dass man es nicht allzu scharf à la Indian-Style haben möchte, schmeckt aber sehr gut. Übrigens: In Indien kommt es niemanden in den Sinn, Früchte ins Curry zu mischen… 🙂 Einen guten Appetit!

 

10. – 15. Dezember: Je südlicher man in Indien reist, je wärmer und feuchter wird es. Bereits Mumbai war um ein paar Grad wärmer als noch Rajasthan. Der Hauptflughafen von Kerala liegt in Kochin. Welch andere Welt hier, sehr warm und wie erwähnt feucht und eine immergrüne Landschaft. Hier geht es noch gesitteter zu und her als in Mumbay, wobei wir uns immer noch in Indien befinden, das darf man nicht ganz vergessen. Wir hausten mitten im Stadtzentrum und nach meiner Ankunft in Indien stand ich das erste Mal in einem Supermarkt, wo man sehr vieles kaufen kann. In der Schweiz eine Selbstverständlichkeit, hier überhaupt nicht. Da wird beim Ausgang genau gezählt, ob auch alle Artikel auf dem Kassenzettel sind. Man stellt sich das bei uns vor, wenn man einen ganzen Einkaufswagen voll gepostet hat… Am ersten Abend haben wir eine Spezialität von Kerala ausprobiert, ein in Bananenblätter eingewickelter Fisch mit einem milden Curry. Hat sehr gut geschmeckt. Am nächsten Tag machten wir eine Stadtbesichtigung. Die Hauptattraktion sind die chinesischen Fischernetze, die ihr auch auf einem Bild sehen könnt. Es wurde uns gesagt, dass die Netze am Morgen tatsächlich noch zum Fischen gebraucht werden. Ehrlich gesagt zweifle ich da ein wenig. Ob da noch Fische herumschwimmen? Ich denke, dass die Netze aus touristischen Gründen beibehalten werden, zumindest in der Innenstadt. Ja, und es gab sogar eine Promenade am Meer entlang. Kerala ist voller Kokospalmen. Da gehört es sich natürlich auch, eine frische Kokosnuss auszuprobieren. Für umgerechnet 40 Rappen eine frische Kokosnuss… Man gönnt sich ja sonst nichts. Der nächste Tag war Aufbruchstag, um ins Hinterland von Kerala zu fahren, zu verschiedenen Wasserfällen. Es war wirklich schön. Übernachtet haben wir inmitten vom Niemandsland, wir waren auch die einzigen Gäste. Wir fuhren am nächsten Tag noch weiter ins Hinterland, in die Teeplantagen. Es ist schlichtweg umwerfend diese Gegend, welche zwischen 1500 und 1800 m ü.M. liegt. Die Strassenverhältnisse waren hingegen weniger umwerfend. Unterwegs hat uns der Fahrer bei einer Ayurweda-Center ausgeladen, so und jetzt gefälligst eine Ayurweda-Massage. Ja, ja, schon gut, machen wir doch, es gibt ja bei weitem schlimmeres. Ich machte eine Kopfmassage. Die Ganzkörpermassage hatte ich bereits in Form der Autofahrt… 🙂 Unser Fahrer meinte dann, dass wir noch ein Ticket für eine kulturelle Veranstaltung kaufen sollten, es lohne sich auf jeden Fall. Also kauften wir ein Ticket für am nächsten Tag. Unser Endziel hiess Munnar, ein Ort mitten in den Teeplantagen. Was denkt ihr, wachsen die Teeblätter, die ihr auch auf verschiedenen Fotos sehen könnt, auf Bäumen, Büschen oder an einer gewöhnlichen Pflanze? Es sind also Teebäume. Ein lokaler Führer fuhr mit uns am nächsten Morgen in einen Nationalpark, wo wir eine Mini-Wanderung von 3 km machten. Es war schon sehr schön auf all die Teeplantagen hinunter zu gucken. Um uns den Tee etwas näher zu bringen, besuchten wir noch das Teemuseum, war auch interessant. Ach ja, dann stand noch die ultimative kulturelle Veranstaltung an. Wir hatten Tickets in der ersten Reihe, wobei man sozusagen auf anstatt vor der kleinen Bühne gesessen wäre. Wir fragten, ob wir nicht etwas weiter hinten sitzen könnten, ein weiser Entscheid, wie sich später herausstellte. So fing das Programm an, Trommelklänge soweit das Ohr hören kann, und dann nochmals Trommelklänge mit Tschinellen. Ach du heiliger Bimbam, unsere Ohren, resp. die Trommelfelle drehten schon bald im Roten. Nach 20 Minuten hörten die Trommeln auf, welche Wohltat. Allerdings trommelten meine Ohren auch so weiter… Dann kam indische Mimik an die Reihe, einige Leute der ersten Reihe mussten auf die Bühne… Danach kamen wieder die Trommeln zum Einsatz, wobei ein in schwarz gekleideter und schreiender Geist oder was auch immer auf der Bühne hin und her wankte. Bevor sich unsere Trommelfelle in seine einzelne Bestandteile auflösten, verliessen wir die Show, welch Schande… Aber wir sassen ja praktisch zu hinterst, das die Weisheit des Tages! Unserem Fahrer war dies dann nicht so recht. Die Weiterfahrt am nächsten Morgen führte uns nach Periyar, wo es einen schönen See mit Nationalpark gab. Der Kalender schrieb inzwischen den 15. Dezember. Unterwegs hielten wir noch in einem Ayurweda-Kräutergarten an, wo Pflanzen für diese Methode angebaut werden. Die Führung war ganz interessant. Am Schluss mussten wir noch in den obligaten Laden, wo uns für jede Krankheit ein Pülverchen oder ein Öl angeboten wurde. So, und jetzt sollten wir einkaufen, schliesslich ist es sehr kostengünstig und effektiv. Ach ja, das habe ich ja auch schon gehört. Leider gab es keine Essenz für überstrapazierte Trommelfelle, schade… 🙂 Unsere Unterkunft war eigentlich ganz gut, auf jeden Fall belegt sie den ersten Platz für das feuchteste Zimmer in Indien. Als wir das Zimmer betraten roch dieses schimmlig. Die Fenster waren am Morgen auch ganz beschlagen. Nun hoffe ich, dass ich nicht zu fest grau werde! 😉

Thema Ayurweda: Sicherlich habt ihr schon alle davon gehört, Ayurweda findet auch immer mehr Anklang in Europa. Vor allem hier in Kerala ist Ayurweda sehr bekannt. Doch was das eigentlich genau? Ayurweda ist eine traditionelle Wissenschaft aus indischer Naturmedizin und ganzheitlicher Heilung, in der Naturheilmethoden, Massage und andere Therapien angewendet werden. Wie gesagt beruht das ganze auf natürliche Basis. Da werden jeweils natürliche Heilpflanzen, Pulver, Essenzen und Öle davon zur Heilung genommen. Der Vorteil ist, dass die erwähnten Heilmittel wirklich zu 100 % natürlich sind und somit keine Nebenwirkungen haben. Es gibt hier in Kerala unzählige Zentren, die diese Methode anwenden. Wenn man eine Krankheit behandeln möchte, dann muss man zuerst einen Doktor aufsuchen, der einem untersucht und dann die entsprechenden Anwendungen verschreibt. Viele Europäer kommen hierher, um sich behandeln zu lassen. Dabei muss man jedoch je nach Krankheit eine Behandlungszeit von einer bis vier Wochen einkalkulieren. Es gibt aber auch für den „normalen“ Touristen die klassische Ayurweda-Massage. Die bekannteste ist die Ganzkörper-Massage und die Sirodhara, das ist eine Kopfmassage, wo man auf dem „Schragen“ liegt und einem ein warmes Öl über die Stirne gegossen wird. Man sollte sich dann wieder wie neugeboren fühlen… Beides ist wirklich empfehlenswert.

 

8. – 10. Dezember: Geistig und geistlich ganz auf der Höhe verliessen wir Varanasi per Flug nach Mumbai mit einem Zwischenstopp in Delhi. Fliegen in Indien ist auch relativ erlebnisreich. Bevor man überhaupt den Flughafen betreten kann, muss man sein Flugticket zeigen. Dann ist die Frage immer, mit wie vielen Kilos man reisen darf. Auf dem Ticket steht jeweils 20 kg, aber stellt euch vor, die Regeln wurden eben erst geändert auf 15 kg… Zwischendurch kann man sein internationales Flugticket mit dem Flug nach Indien zeigen, dann ist es je nach Laune des Check-in-Agents möglich, die Limite auf 20 kg zu erhöhen. Und sonst bezahlt man Übergepäck, und manchmal sagt niemand etwas. Alles klar? Für mich nicht. Obwohl ich ja in dieser Branche gearbeitet habe, ist das ganze ein Rätsel und ich habe die Logik noch nicht herausgefunden, TII. In Mumbai wurden wir auch gleich wieder abgeholt und ab ging’s ins Hotel. Keine Ahnung wo dieses lag. Wir stiegen in ein Taxi, um nach Downtown zu fahren. Eine ganze Stunde benötigten wir dafür. Mumbai ist schon wieder ganz anders als der Norden. Es hat sogar Trottoires, keine Kühe mitten auf der Strasse, viel weniger Lärm als sonst. Bin ich überhaupt noch in Indien? 🙂 Auf alle Fälle ist Mumbai eine Riesenstadt mit 20 Mio. Einwohnern. Wir erkundigten die Innenstadt auf eigene Faust. Es geht hier schon viel westlicher zu und her als eben noch im Norden. Am nächsten Tag machten wir dann noch eine offizielle Stadtrundfahrt. Leider war am Montag die Hauptsehenswürdigkeit, eine Insel namens „Elephant Caves“ geschlossen, und so fuhren wir in einen nahegelegenen Nationalpark, wo es Höhlen zu bewundern gab. Auf einem Bild sieht ihr auch eine Spezialität aus Mumbai. Vor einem Bahnhof sieht ihr kleine Säcke, Tüten und Taschen. Das sind die sogenannten Lunch-Boxen. Wenn die Leute am Morgen zur Arbeit fahren, dann ist das Mittagessen zu Hause noch nicht parat. Wenn dann die Hausfrauen das Mittagessen um 10 Uhr fertig gekocht haben, gehen die Jungs, die dafür angestellt sind und weisse Mützen tragen, die Lunch-Boxen zu Hause per Zug abholen, bringen sie ins Stadtzentrum und von dort werden diese zum Arbeitsplatz gebracht. Am späteren Nachmittag machen die leeren Lunch-Boxen die umgekehrte Reise. So werden täglich 200’000 Lunch-Boxen verteilt, und das ohne Fehler, wie man uns versicherte. Das ist wirklich beeindruckend. Ich empfand Mumbai geradezu als angenehm, klar, es hat auch arme Viertel, die Slums, die man von weitem sieht, aber es war einfacher, sich dort herumzuschlagen als etwa in Delhi. Es hat Läden und Restaurants wie wir sie auch von Europa her kennen und die paar Sehenswürdigkeiten sind auch schön und interessant. Beim Gateway of India, das ihr auf einem Foto sehen könnt, wurden wir non-stop angesprochen, ob wir nicht bereit wären, ein paar Fotos mit Einheimischen zu machen, offenbar sahen wir wie ET oder sonst ein Wesen von einem anderen Planeten aus. Oder hatten sie uns etwa aus den letzten Bollywood-Filmen erkannt? 😉 Am zweiten Abend stiegen wir in ein Taxi. Mann-oh-mann, das Qualifying eines Formel 1 Rennens hatten wir ja schon hinter uns, nun folgte noch das Rennen selber. Musik auf voll Gas, grüne Lämpchen im Auto an, und ab ging’s, das Disco-Auto bretterte quer durch Mumbai, bei den Rotlicht-Ampeln überholte unser Fahrer einfach alle und wartete jeweils zuvorderst in Poleposition. Jedenfalls war ich froh als ich die schwarz-weiss karierte Zielflagge beim Hotel sah. Am nächsten Morgen folgte bereits der Weiterflug nach Kerala, das ist die Provinz, die im Südwesten von Indien liegt. Ach so, diesmal mussten wir das internationale Flugticket beim Check-in zeigen und konnten unsere Kilos gratis befördern lassen…

Thema Bollywood: Wenn man in Mumbai ist, kommt man fast nicht um die Bollywood-Filme herum. Das Wort Bollywood setzt sich aus den Wörtern Bombay (heute ja wieder Mumbai genannt) und Hollywood zusammen. Jährlich werden mehr als 1000 Filme produziert, mehr als in Hollywood. In den Bollywood-Filmen geht es um für uns realitätsfremde Filme, in denen singende, tanzende Liebespaare gegen die Mächte kämpfen, die sich zwischen sie stellen und die sie dann natürlich besiegen. Heutzutage buhlen neben diesen zuckersüssen, hauptsächlich für Familien gemachten Filmen auch viele von Hollywood inspirierte Thriller und Actionfilme um die Gunst der Kinogänger. Die Anzahl produzierter Filme sagt schon viel aus über diese gigantische Hindi-Filmindustrie. In der Schweiz werden ja bekanntlich viele Bollywood-Szenen, die in den Bergen abspielen, gedreht. Eigentlich würden diese Szenen in Kashmir gedreht. Da jedoch dies eine Krisenregion ist, weicht man gerne in die Schweiz aus, da es dort sehr ähnlich aussieht. Deshalb steht unser Land auch in der Gunst vieler Inder, und die vermögenden und frisch verheirateten Inder verbringen gerne ihre Flitterwochen bei uns, ganz romantisch…

Indien / Neu Delhi + Rajasthan

17. November – 8. Dezember 2013

4. – 8. Dezember 2013: Agra verliessen wir mit dem Zug. Das ist ja auch ein Erlebnis in Indien. Täglich fahren mehr als 20 Mio. Menschen mit dem Zug umher. Ich war schon ein wenig beeindruckt, da klappte alles wie am Schnürchen. Man muss vielleicht unterscheiden zwischen Vororts- und Fernzügen. Vorortszüge können zum Horror werden, völlig überfüllt, Damen haben separate Wagen, Menschen hangen an den Eingangstüren. Aber die Fernzüge sind wirklich nicht schlecht. Da muss man auch zum voraus reservieren, sonst hat man keine Chance einen Sitzplatz zu kriegen. Unser Wagen hielt genau dort, wo er bereits auf dem Perron angeschrieben war. Also rein, unsere Plätze waren reserviert. Wir fuhren Richtung Osten nach Jhansi, wo wir von einem neuen Fahrer abgeholt wurden. Der erste Eindruck war nicht besonders gut, der Fahrer führte seinen Wagen durch die Gegend als sei er an einem Qualifying eines Formel 1 Rennens, und das auf den zum Teil misslichen Strassen. Eigentlich dachten wir, dass wir bis nach Khajuraho durchfahren, Fehlanzeige. Unterwegs stieg ein Führer ein, der uns Orchha zeigte. Ach so, somit musste ich noch schnell Geld aus meinem Rucksack nehmen, den Rucksack liess ich im Auto zurück wie immer, aber hier war es ein Fehler wie sich später herausstellte. Also schauten wir diesen Ort an, Paläste und Tempel, Nr. 256 und 589… 🙂 Nach der Besichtigung fuhren wir nach Khajuraho. Das ist der Ort, wo es die Kamasutra-Tempel gibt. Am Abend machte ich wieder einmal Auslegeordnung, auch mit dem Geld, und das wieder mal seit ein paar Tagen. Gleich merkte ich, dass mein Bargeldbestand schmäler war als sonst, also rechnete ich nach. Es fehlten rund USD 400, SGD 160 und etwas Rupien. Da ich seit ein paar Tagen keinen Kassensturz mehr machte, konnte ich freilich nicht beweisen, wer mir das Geld genommen hat. Obwohl in meinem Innersten verdächtigte ich den neuen Fahrer, irgendwie eine blöde Situation. Leider konnte ich dann nichts mehr machen, aber der Verlust tat schon weh, autsch! Als wäre das nicht genug gewesen. Zu später Stunde als ich meinen Magen mit dem mitgebrachten Whisky desinfizieren wollte, merkte ich, dass auch dieser Vorrat beachtlich abnahm. So als ambitionierte Schnapsnase musste ich auch das verkraften. 🙂 Aber die Reise geht natürlich trotzdem weiter. Wo waren wir nun stecken geblieben? Ach ja bei den Kamasutra-Tempeln… 🙂 Nun bitte keine falschen Gedanken meine Lieben! Da darf man keine falschen Erwartungen haben, wenn man das hört, resp. sieht. Es sind überhaupt keine Lustpaläste, es sind Tempel, die zuerst einmal in einem ausgezeichneten Zustand sind, und von all den Figuren, die man sehen kann, sind gerade mal 7 % mit erotischen Positionen belegt, die anderen 93 % sind ganz seriös. Indien ist wirklich ein kontroverses Land, mit den Armen und Reichen, der Prüdheit auf der einen Seite und den inzwischen sehr sexy Bollywood-Filmen andererseits, oder in Indien stehen die modernsten Windkraftwerke, und gleich nebenan brauchen die Leute die Felder als Toilette, weil sie zu Hause schlichtweg keine haben. Aber es war schon lustig zu sehen, dass gewisse Gläubiger, die einen aktiven Tempel aus religiösen Gründen aufsuchten, doch gerne und nicht ganz abgeneigt über den Zaun schauten, um gewisse Figuren zu betrachten und dabei etwas verlegen lächelten. Welche Figuren? Ich stelle euch gerne ein Bild auf den Blog, das diese Positionen zeigt, welche ja bekannterweise nummeriert sind. Es soll euch einfach zeigen, wie es dort tatsächlich aussieht. Erkennt ihr alle Zahlen? Aber denkt daran, es sind nicht die aktuellen Lottozahlen, wenn ihr nun meint, dass ihr das grosse Los gezogen habt… 😉 Am Nachmittag machten wir noch einen Ausflug zu einem Wasserfall, resp. Canyon, wo wir zudem eine kleine Safari machen konnten. Unser Führer war wirklich sehr nett und lud uns am nächsten Morgen noch zu sich nach Hause ein, wo wir einen Tee serviert bekamen. Dann ging es per Flug nach Varanasi, schlichtweg das geistliche und spirituelle Zentrum Indiens. Es ist wirklich ein spezieller Ort mit nicht weniger als 2000 Tempeln. Wir wurden gewarnt, dass es die dreckigste Stadt von ganz Indien sei mit vielen Bettlern und vor allem vielen Pilgern. Varanasi liegt auch am heiligen Fluss, dem Ganges. Ich war sehr gespannt, was auf uns wartete. Varanasi hat mir sehr gut gefallen, etwas ganz anderes, als wir bis anhin gesehen haben. Dreckig? Nun, verglichen mit unseren Verhältnissen schon, aber für indische Verhältnisse fand ich die Stadt nicht dreckiger als die anderen Orte. Es hat extrem viele Pilger, die hierher kommen, um im heiligen Fluss ihr Bad zu nehmen. Dabei sollte man sieben Mal den Kopf unter Wasser halten. Wenn man sieht, was da alles im Ganges herumschwimmt… Von toten Kühen, über die Kanalisation bis über Asche von Toten, einfach alles. Also, wenn meine paar Haare bald ausfallen, dann wisst ihr warum! Nein, nein, keine Angst, ich nahm kein Bad im Ganges. Wir machten jedoch eine Bootsfahrt gegen den Abend, und am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang. Es war ganz spannend, all den Leuten zuzuschauen. Es hat tatsächlich auch viele Bettler, es sind wirklich arme Leute, ein paar haben Lepra, andere sind tot krank. Aber für sie gibt es nicht schöneres, als zum Ganges zu kommen. In Varanasi nahmen wir am nächsten Tag auch Abschied vom Norden Indiens.

Thema Indien, ja oder nein: Es ist Zeit, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen. Indien zu beschreiben ist gar nicht so einfach, man hört immer so viel, einige von euch waren schon dort mit unterschiedlichen Erfahrungen. Eines muss ich gleich bestätigen, es ist ein nicht sehr einfaches Land zum bereisen, und schon gar nicht einfach zum verstehen. In den Städten ist es permanent laut, mit viel Verkehr, überall hupt es, konstant viele Leute, aufpassen mit der Hygiene, dem Essen und Trinken, Düfte unterschiedlicher Art von links und rechts, Verkäufer, die einem fast zum Wahnsinn treiben. Wenn man nein sagt, dann kommt gleich der Spruch, dass alles billig ist. Aber, ob man es überhaupt braucht, spielt keine Rolle, Hauptsache, es ist billig. Es dreht sich immer alles ums Geld, jeder will Geld von einem. Wenn man einen Preis abmacht, dann wird am Schluss doch noch versucht, noch mehr Geld zu verlangen. Manchmal kommt man sich vor wie ein wandelnder Bancomat. In den Läden versucht jeder, einem noch sonst irgendetwas anzudrehen. Wenn man eine Zahnpaste kaufen will, dann kommt man vermutlich noch mit einem Kashmir-Teppich raus… 😉 Die Rolle der Frau in Indien darf man auch nicht wirklich näher anschauen, die Frau hat nicht wirklich viele Rechte, zumindest im sozialen Leben nicht. Manchmal ist es ein Kampf, den man nicht einfach so aufgeben darf. Und Mutter Teresa können wir auch nicht überall spielen. Aber irgendwie macht dieses Chaos die Faszination Indien aus, das Land funktioniert, auch wenn man sich zeitweise 100 Jahre zurück versetzt fühlt. Man muss einfach offen für vieles sein, Indien akzeptieren wie es ist, ohne es zu hinterfragen, verstehen tun wir es eh nicht, und man muss eine Portion Humor und Lockerheit mitbringen, sonst hält man es hier nicht aus. Sobald man sich aufregt, kapituliert man vor sich selbst, und man zieht Leine. Es gibt wirklich auch die schönen Seiten, die farbenfrohen Saris der Frauen, die netten und einem anlachenden Leute, die Paläste und Tempel, auch wenn man diese bis zur Vergasung gesehen hat, der Taj Mahal usw. Mir gefällt es soweit gut, wenn auch wegen dem gestohlenen Geld mit einem etwas sauren Beigeschmack, freue mich jedoch, gegen den Süden zu gehen. Dort soll ja vieles anders sein!

 

27. November – 3. Dezember: Nach einer im wahrsten Sinne des Wortes verschissenen Nacht (bitte entschuldigt diesen Ausdruck) fuhren wir von Jodhpur Richtung Udaipur. Jodhpur ist übrigens die blaue Stadt, da es dort viele blau angestrichene Häuser hat. Unterwegs machten wir beim Tempel Chaumukha Mandir in Ranakpur Halt. Dies ist ein sehr wichtiger und einer der wenigen Tempel der Jain, eine Glaubensrichtung im Hinduismus. Die Jain leben streng veganisch, d. h. sie essen gar nichts was mit irgend etwas mit Tieren zu tun hat. Sie essen auch nichts, was unter der Erdoberfläche wächst. Man beachte auch die Instruktion, bevor man den Tempel betritt: Schuhe, Zigaretten und Gegenstände aus Leder müssen am Eingang zurückgelassen werden, und Frauen, die ihre Periode haben, sollen den Tempel nicht betreten. Wie bitte? Fragt mich jetzt nicht, wie das kontrolliert werden soll, also ich meine natürlich die Frauensache… 😉 Fotos darf man von ihren Göttern auch nicht machen, da dies das gute Karma stört. Dann ging es weiter nach Udaipur, die weisse Stadt. Schon bald habe ich ein Durcheinander mit all den farbigen Städten. Udaipur ist in eine Neu- und Altstadt unterteilt. Wir hausten wieder einmal fürstlich im historischen Teil der Stadt. Die Stadt ist wirklich sehr schön, es hat auch drei Seen, wenn auch künstliche, aber sie sind trotzdem lieblich in die Landschaft eingebetet. Auf einem Foto seht ihr einen Palast mitten im See. Dieser gehörte früher dem Maharaja, heute ist ein 5*-Hotel untergebracht. Selbstverständlich darf die obligate Schifffahrt auf dem See nicht fehlen. Bis jetzt hat mir diese Stadt am besten gefallen. Von Udaipur fuhren wir in die Pilgerstadt Pushkar. Jeder Hindu sollte mal in seinem Leben dorthin pilgern, um im heiligen See ein Bad zu nehmen und sich zu waschen. Am nächsten Morgen machten wir mit einem Führer eine Besichtigung. Da ging’s zuerst in den heiligen Tempel, wo wir Rosenblätter erhielten. Für was? Damals hatte ich keine Ahnung. Dann liefen wir zum heiligen See, und bevor wir bemerkten, was um und mit uns geschah, sass schon je ein Priester neben uns. Ein paar Sprüche, ein roter Punkt oder Strich auf die Stirn, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe… Mein Wille bestand darin, dieses Ritual so schnell wie möglich zu einem Ende zu bringen. Ja, dann natürlich noch die Rosenblätter besänftigen und diese rein in den See. Der Priester wird nun sein Leben lang für mich zum besten beten. Ich kam mir genötigt vor, aber eben, was macht man nicht alles, damit es einem besser gehen sollte. Ach, ja, das Ritual war noch nicht ganz zu Ende. Der letzte Akt fehlte ja noch, und der bestand darin, beim „Donation-Office“ vorbeizugehen und etwas zu spenden, ganz nach seinen Möglichkeiten. Der Priester, so versicherte er mir, arbeite umsonst, aber wenn er einen guten Job gemacht habe, dann dürfe ich ihm ohne weiteres etwas separat zukommen lassen. Ihr sieht, auch hier geht der Glaube bis zum Geldbeutel! Ja, und wenn ich dann das nächste Mal wieder komme, dann werde ich verheiratet sein und Kinder haben… 🙂 Also, Madame Etoile oder Mike Shiva (für alle Nicht-Schweizer, die den Blog lesen: Dies sind in der Schweiz die zwei best bekannten kommerziellen Astrologen) können schon ein wenig neidisch nach Indien schielen… 😉 Man sieht hier auch ein paar Europäer, die sich voll auf diesem geistlichen Trip befinden. Noch schnell durch den Markt marschieren und die Weiterfahrt führte uns nach Jaipur, die pinke Stadt. Viele Häuser sind mit einer Art pinkiger Farbe angestrichen. Kaum in Jaipur angekommen, ging es bereits auf Besichtigung. Wir mussten uns sehr beeilen, da am Sonntag, 01.12.2013, Wahlen in Rajasthan waren. Deshalb war am Sonntag alles geschlossen und so versuchte unser Führer noch alles am Samstag unter einen Hut zu bringen. Jetzt verstehe auch ich, was Hurry-up-Travel bedeutet… Unser Führer versicherte uns, dass das Highlight der Elefantenritt zur Festung sei. Noch immer der nicht sehr rühmliche Kamelritt im Hinterkopf habend befürchtete ich freilich nichts Gutes. Und so war es auch. Ein Touristenauflauf sondergleichen, Verkäufer, die einem fast zum Wahnsinn trieben, auf einmal hat man einen Turban oder sonst einen Hut auf dem Kopf, den man nun gefälligst zu kaufen hat. Dann ein Elefant nach dem anderen, immer zwei Personen dürfen raufsitzen. Unterwegs überall sich als Fotographen anbietende junge Männer. Wir waren ganz geschaffen, als wir oben ankamen. Dann eben einen schnellen Rundgang und weiter ging’s. Als wir am Abend im Hotel ankamen, war ich fix und foxy. Am Sonntag waren eben Wahlen, somit alles geschlossen. Wir hatten den Eindruck, dass wir noch nicht alles von dieser Stadt gesehen hatten. Ich telefonierte unserem Fahrer und fragte ihn, ob es möglich wäre am Montag Morgen noch zwei, drei Sachen anzuschauen. No problem! Er komme gleich, sei in 15 Minuten bei uns. Ja, aber heute sei doch Sonntag und alles geschlossen… No problem! Nun, Vijai stand schon bald auf der Matte und ab ging die Post! Beim ersten Palast, den wir anschauen wollten, stand ein Wächter vor der Türe. Vijai gab Alles, und gegen etwas Schmiergeld standen wir auf einmal im Palast, ganz für uns alleine. Vijai hatte von allen am meisten Freude und führte uns umher als würde er diesen Palast auswendig kennen… Es war wirklich cool. Dann noch die anderen Sehenswürdigkeiten und unser Fahrer brachte uns zurück ins Hotel. Am nächsten Morgen fuhren wir zum Highlight von Indien, dem Taj Mahal! Unterwegs machten wir noch einen Halt beim Fatehpur Sikri. Die Bauwerke, ein Palast und eine Moschee waren sehr beeindruckend, sie stehen unter dem UNESCO-Weltkulturerbe, aber das darum herum… Diese Verkäufer, die penetrant auf einen einreden, kennen echt kein Mass. Da kann man noch solange „no thanks“ sagen, die folgen einem noch in den Bus, TII. In Agra von unserer Unterkunft aus konnten wir am frühen Abend die Silhouetten des prächtigen Taj Mahal bereits sehen. Der Besuch war für am nächsten Tag geplant. Ich muss es zugeben, ich war ein wenig aufgeregt, schliesslich ist dieses Bauwerk eines der Highlights meiner Weltreise. Dann standen wir also vor diesem Meisterwerk, das beinahe 400 Jahre alt ist. Es war schlicht umwerfend, man kann es fast nicht in Worte fassen. Wenn man irgendwo auf der Welt die Perfektion einer Architektur sucht, dann findet man diese im Taj Mahal. Meine Kamera lief auf Hochtouren, um diesen Traum einzufangen. Irgend einmal muss man jedoch Abschied nehmen, Abschied vom Taj Mahal, Abschied von Agra. In der Werbung von Indien heisst es doch: Incredible India! TII, das war ein schöner unglaublicher Moment.

Thema Kastensystem: Das gehört doch schon eher wieder zu den nicht so rühmlichen Angelegenheiten in Indien. Offiziell gibt es das Kastensystem nicht (mehr), aber es wird trotzdem noch gelebt, vor allem auf dem Land. Was bedeutet dies überhaupt? In Indien ist die Kaste die grundlegende soziale Struktur. Es gibt grundsätzlich vier Kasten, die dann noch in viele Unterkasten unterteilt sind. Fangen wir mal oben an: Die oberste und somit höchste Kaste ist die Brahmana (Priester und Gelehrte, wie Doktoren oder Ingenieure), die zweithöchste gehört den Kshatriya (Soldaten und Verwalter, früher die Kämpfer, die Singh, habt ihr sicher auch schon gehört), dann folgt die Vaishya (Kauf- und Geschäftsleute) und zuletzt die Shudra (Arbeiter, also das Fussvolk). Geheiratet wird nur innerhalb der gleichen Kaste. Das gibt es nicht, dass man eine/n „minderwärtige/n“ Partner/in hat. Wie gesagt, die Kaste gibt nur offiziell nicht. Da können wir ausserhalb von Indien froh sein, dass wir alleine in den Sandkaste(n) gehen können und unser Schätzeli selber aussuchen können und am Abend sind die Hände für alle gleich dreckig! 🙂

 

20. – 26. November: Wie reisen Nadia und ich in Indien herum? Wir haben uns entschlossen, einen Fahrer zu „mieten“, der uns von Ort zu Ort fährt. Im Vorfeld habe ich herausgefunden, dass dies vor allem aus Zeitgründen am einfachsten ist. So haben wir zwar ein fixes Programm, wann wir wohin fahren, aber das ist hier nicht wirklich die schlechteste Lösung. Noch in Delhi wollte man mir bereits Nadia abkaufen, ein indischer Bräutigam bot mir jedoch eine zu kleine Mitgift. Für ein Foto liess ich sie dennoch posieren. Schaut doch selber mal, wie sie sich neben einem Inder so macht. Wäre ja sicher keine schlechte Partie, aber eben, ich will den Marktwert von Nadia noch etwas in die Höhe treiben, schliesslich soll man nicht gleich beim ersten Angebot zupacken, so vier, fünf Kamele mehr sollten schon drinliegen. Und schliesslich – das sei hier doch auch noch gesagt – ist Nadia unbezahlbar… 😉 Unser Fahrer, Vijai Kumar, hat uns um 9 Uhr morgens in Dehli abgeholt, um uns in Rajasthan herumzuführen. Diese Gegend liegt im Nordwesten von Indien und bietet vor allem kulturelle Sehenswürdigkeiten. Somit ist dies etwas ganz anderes als noch das südliche Afrika. Aber das macht für mich meine Weltreise auch spannend, jedes Land bietet etwas anderes. Die abwechslungsreiche Landschaft von Südafrika und Namibia muss ich nun definitiv beiseite legen. Paläste, Tempel und nochmals Tempel werde ich zu genüge besuchen, halleluja, oh Entschuldigung dies war nun nicht wirklich der richtige Ausdruck bei den Hindus, Moslems und Buddhisten… Die Landschaft hier ist schon fast langweilig flach und nicht sehr abwechslungsreich. Trockene Erde, Büsche und Bäume zischen an einem vorbei, stundenlang. Die erste Station hiess Mandawa. Dort residierten wir in einem wirklich schönen früheren Herrschaftshaus, Haveli genannt. Am nächsten Tag stand die erste Sightseeing-Tour auf dem Programm. Zur allgemeinen Information muss man einfach wissen, dass es vor der Unabhängigkeit Indiens im Jahre 1947, 562 Fürsten in Indien gab. Diese werden in Rajasthan Maharaja genannt. Jeder herrschte über sein Land selber, hatte seinen eigenen Palast. Die Maharajas gibt es auch heute noch, leben immer noch in ihren Palästen, haben jedoch nicht mehr die Macht wie früher, oder gar keine mehr. Oft werden sie auch Könige genannt. Weiter ging es nach Bikaner. Halt immer das gleiche Bild. Besuche von Havelis, Palästen und Tempel. Vor den Tempel muss man jeweils die Schuhe ausziehen, schliesslich soll man rein in einen Tempel eintreten. Rein? Nun, das hat hier eine andere Bedeutung, macht echt nichts, wenn man zuerst mal ohne Schuhe durch Taubendreck laufen muss… 🙂 Die weiteren Stationen hiessen Jaisalmer und Jodhpur. Es gibt hier in Indien ein bestimmtes Schema, wenn man in eine Stadt kommt. Wir machen jeweils mit einem lokalen Führer eine Stadtbesichtigung, wie gesagt abwechslungsweise besucht man Tempel, Paläste und dann nochmals Tempel. Ja, und dann müssen die Führer mit uns in einen Shop kommen, wo man Holz- und Metallfiguren, Schale, Teppiche und Bilder kaufen kann. Schliesslich winkt am Schluss noch eine Provision… In Bikaner waren wir in einem Shop, wo Richard Gere 520 Schäle von Hermès gekauft haben soll! Das ist ja dieses teure Label aus Paris. Zugegeben es sind wirklich schöne Schäle, und Richard Gere soll ja Buddhist sein. In Paris kostet ein solcher Schal EUR 5000, hier EUR 125 für beste Pashmina- und Seiden-Qualität. Jaisalmer liegt nur gerade mal gute 100 km von der pakistanischen Grenze entfernt. Deshalb gibt es hier zwischendurch auch Militärkontrollen. Sie wird auch goldene Stadt genannt. Goldig deshalb, weil viele Häuser aus einem lokalen gelb-beigen Sandstein gebaut werden. Wenn die Sonne darauf scheint, dann leuchten die Fassaden eben goldig. Wir waren sozusagen mitten in der Wüste. Aus diesem Grund werden hier auch Kamelritte angeboten. Also, nichts als auf ein Kamel. Leider ist hier alles so touristisch, so dass man es gar nicht geniessen kann. Überall werden Getränke angeboten, die Flaschen werden einfach in den Sand geworfen. Wir wussten nicht, ob wir nun eine holprige Besichtigung der Mülldeponie machen würden, oder einen Sunset-Ausflug. Und weiter ging’s nach Jodhpur. Für uns hiess dies nächste Besichtigung, nächster Laden. Dort erzählte man uns, dass Richard Gere hier 520 Schäle gekauft hat. Nein, nein, ich habe mich nicht zweimal vertippt oder ein „Copy-Paste“ versehentlich zuviel gemacht… Wo dieser Richard Gere überall gewesen ist?! Wow, ich bin echt imprägniert von ihm, eh, imponiert meinte ich eigentlich… 😉 Bis in Jodhpur hatten wir auch noch keinerlei Schwierigkeiten mit dem Essen und Trinken. Dort schmiedete jedoch Montezuma Rache! Ich selber bin noch glimpflich davon gekommen, musste nur einmal notfallmässig auf die Toilette, aber Nadia hat es leider voll erwischt. Die ganze Nacht verbrachte sie auf dem stillen (?) Örtchen… Das hiess dann mal zwei Tage „rien ne va plus“! Dennoch konnten wir das Programm weiterziehen. Sie hat sich tapfer geschlagen, es ging auch wieder aufwärts, nachdem wir indische Medis gekauft hatten. Schliesslich muss man am Ball bleiben, und ich muss schauen, dass der Marktwert von Nadia konstant hoch bleibt!! 🙂

Thema Bindi (roter Punkt oder Tupf auf der Stirn): Was bedeutet dies jetzt eigentlich? Ist nun eine Frau verheiratet, wenn sie einen solchen Punkt trägt oder nicht? Hier die Auflösung: Ja, wenn eine Frau einen roten Tupf auf der Stirn trägt, dann ist sie eigentlich verheiratet. Eigentlich darum, weil heutzutage viele Frauen, auch nicht verheiratete, einen roten Tupf aus modischen Gründen tragen. Deshalb kann man nicht immer darauf gehen, ob jetzt eine Frau verheiratet ist oder nicht. Nun sind wir gleich weit wie vorher, oder…? Aber, wenn die Frau rote Farbe zwischen der Haarscheitel trägt, dann ist sie definitiv verheiratet. In diesem Fall heisst es just looking!

 

17. – 20. November: Neu Dehli, Indien, ein neues Kapitel hat angefangen. Für mich ist es das erste Mal, dass ich Indien besuche. Man hört viel, die einen mögen dieses Land, die anderen gar nicht. Man sagt deshalb, entweder geht man immer wieder nach Indien, oder man geht nie mehr. Mal schauen, ob ich in fünf Wochen auch so eine kontroverse Meinung haben werde. In Neu Delhi gelandet, hatte ich das Gefühl, dass wir mit dem Flieger gleich eine Stadtrundfahrt machen würden. Mindestens 20 Minuten kurvten wir zwischen den Landebahnen umher bis wir unser Gate erreichten, vermutlich das hinterste. Aus dem Flieger, dann hiess es die Ausdauerschuhe anziehen, denn bis man die Passkontrolle erreicht hat, geht es nochmals fast 15 Minuten. Landezeit war um etwa 1.15 Uhr früh morgens. Da um diese Zeit ziemlich viele Flieger gleichzeitig aus Europa ankommen, darf man dann auch entsprechend bei der Immigration anstehen. Nicht weniger als 44 Schalter stehen zur Verfügung, d. h. man musste etwa 30 Minuten anstehen. Dann muss man das Gepäckband suchen, ach ja, das zweithinterste, und dann bitte keine Eile, das Gepäck kommt dann schon irgendeinmal. Nun, diesen Groove kenne ich ja bereits von Afrika her. Wie hiess dieses kleine Wort schon wieder? Ach ja, TIA, this is Africa! Nun bin ich in Indien, TII, this is India, auch diese Abkürzung könnt ihr schon mal in euren Wortschatz aufnehmen. Inzwischen war es schon fast 3 Uhr morgens. Ich wurde gewarnt, dass wenn man durch den Zoll geht, man sich kaum wehren kann vor lauter Gepäckträger. Jeder will einem das Gepäck tragen und anfassen und ein Trinkgeld dafür kassieren. Bevor die Schiebetüre aufging, nochmals kurz durchatmen. Meine Gedanken waren beim Fahrer, der mich abholen sollte. Wie finde ich diesen genau? Schiebetüre auf, und…? Oh, vor mir standen etwa 200 Leute, und das ist nicht übertrieben, mit einem Zettel mit dem Namen der Gäste in der Hand, alles Fahrer oder Repräsentanten von Reiseorganisationen, welche auf ihre Gäste warteten. Das hiess für mich Gepäck abstellen und meinen Namen suchen. Also, fing ich mal auf der linken Seite an, nichts, in der Mitte, nichts, rechts, nichts, oben, nichts, unten, nichts, hinten, nichts, gar nichts. Help! Wo soll ich noch schauen? Ein Herr fragte mich hilfsbereit, wie denn mein Name sei. Ja, und dann drehte ein Mann, der mit seinem Handy beschäftigt war, doch noch seinen Zettel um mit dem Namen Raymond drauf! Jupi, ich war gerettet! Ein Handzeichen, ich soll auf die linke Seite kommen, und wir trafen uns. Ich wollte noch schnell ein paar Rupien aus dem Bancomaten rauslassen. Offiziell darf man keine Rupien nach Indien einführen, die inoffiziellen habe ich gut versteckt. No problem, look just there (ihr müsst euch jetzt jeweils den indischen Akzent mitvorstellen)! OK, Karte rein, keine Karte raus, kein Geld raus. 🙁 Das ist doch schon der erste Deal, oder?! Nach ein paar Mal Knopfdrücken kam dann die Karte wieder raus. Die zweite Schweissperle konnte sich wieder verziehen. Probieren wir es doch am späteren Nachmittag wieder. Hinaus aus dem Getümmel und warten bis das Auto vorfuhr. Dann quer durch Delhi bis zum Hotel, erste Hürde geschafft! Geschafft war auch ich und fiel müde ins Koma. Am nächsten Tag habe ich mit Rajiv abgemacht, um zurück zum Flughafen zu fahren, um Nadia abzuholen, die mich ja während fünf Wochen in Indien begleitet. Der Name Rajiv ist nicht etwa ein Witz, der heisst klischeehaft tatsächlich so und ist der Verkaufschef des indischen Reisebüros, wo ich meine Indienreise gebucht habe. Um 13 Uhr sollte er mich abholen. 13.30 Uhr, immer noch kein Rajiv, dann mal ein Telefonanruf. Ja, ja, er sei unterwegs, in 10 Minuten sei er dort, don’t worry. Ein Tag vor meiner Abreise wollte ich ihm noch anrufen, um nachzufragen, ob alles OK ist. Keine Telefonnummer funktionierte mehr, also schrieb ich ihm eine Email. Er meldete sich umgehend, dass sein Handy abhanden gekommen sei, deshalb seien die alten Nummern nicht mehr gültig. Ach so, gut zu wissen als Kunde… 14 Uhr, kein Rajiv, 14.15 Uhr, Rajiv ist immer noch nicht da. Um 14.30 Uhr ist er dann gekommen, TII. Hello my friend! How are you doing? Yes, yes, very well and how about you? Look my friend, the flight is delayed (Schau mein Freund, der Flug ist verspätet). Dann fuhren wir an den Flughafen, wo man ein Eintrittsticket kaufen muss, um den Flughafen betreten zu können. Nadia haben wir aufgegabelt und zurück ging’s in Hotel. Am nächsten Tag stand eine Stadtrundfahrt auf dem Programm. Die grösste Attraktion für uns war der Verkehr! Das kann man sich fast nicht vorstellen, wenn man es nicht selber erlebt hat. Der Guide sagte uns, dass man, wenn man in Delhi im Verkehr ist, drei Sachen braucht, wobei auch die Reihenfolge interessant ist: 1. eine gute Hupe, 2. gute Bremsen und 3. viel Glück. Für unser Empfinden war es gerade umgekehrt… Aber es ist schon so, es hupt sich von allen Seiten. Aber irgendwie funktioniert es. Velofahrer, Töfffahrer, Autos, Tuk-Tuks, Busse, Lastwagen, dann Karren mit Kamelen, Ochsen, Pferden, von Hand gestossen, ja auch Elefanten sind da, alles nebeneinander, dazwischen immer die heilige Kuh, die hat immer Vortritt! Es war faszinierend. Die anderen Sehenswürdigkeiten könnt ihr auf den Fotos sehen. Am nächsten Tag die restlichen Sehenswürdigkeiten in Delhi, bevor wir die Hauptstadt Indiens verliessen, um Rajasthan zu bereisen.

Thema Begrüssen: Wie begrüsst man in Indien die Leute? Viele von euch haben das Wort „Namaste“ sicherlich schon gehört. Da macht man nie was falsch. Aber wie setzt man es richtig ein? Man legt beide Handflächen vor dem Körper gegeneinander, die Finger gegen den Himmel, eine kleine Verbeugung und man spricht eben „Namaste“ aus. So sind immer alle zufrieden. Das Wort *Namaste“ selber bedeutet: „Ich ehre in dir den göttlichen Geist, den ich auch in mir selbst ehre – und ich weiß, dass wir somit eins sind.“ In diesem Sinne „Namaste“.

Indien

16. November – 23. Dezember 2013

New Delhi – Rajasthan – Varanasi – Mumbai – Kerala – New Delhi

Hauptstadt: New Delhi

Bevölkerung: 1.211 Mia.

Fläche: 3.287.469 km²

Veröffentlicht unter Asien

Hello and bye-bye Switzerland

13. – 16. November 2013

13. – 16. November: Nach Kalender bin ich nun seit genau zwei Monaten auf meiner Weltreise. Die Zeit vergeht wie im Flug, bereits seit zwei Monaten unterwegs, wahnsinnig. In Kapstadt bestellte ich einen Fahrer, der mich zum Flughafen fuhr. Er kam fast eine Stunde zu früh, da er im Radio gehört hatte, dass die Autobahn durch einen Streik blockiert werden sollte. So war ich etwas früh am Flughafen, macht gar nichts, das ist ja für mich alles andere als eine Strafe. Und schliesslich lieber zu früh am Flughafen als zu spät. Der Flug war sehr angenehm und etwas nach 6 Uhr setzte der Flieger in Zürich auf. Wieder Heimat unter den Füssen… Ich geb es zu, ich kam gerne nach Hause. Ich gehe jeweils gerne weg, komme aber auch immer wieder gerne nach Hause. Nachdem ich mein Gepäck in Empfang nahm, ging ich gleich zum Check-in, wo mein Bruder für seine Ferien sein Gepäck aufgab. Und was sah ich da: Mein Bruder vor dem Check-in Schalter am Boden auf den Knien am Gepäckumladen… Typisch mein Bruder dachte ich… 😉 Es freute mich, dass ich ihn für eine Stunde sah, sonst hätte ich ihn im ganzen für mehr als ein Jahr nicht gesehen. Meine Mutter wartete natürlich auch auf mich, was mich auch sehr freute. Ich wusste, dass ich in diesen drei Tagen ein ziemlich sportliches Programm hatte. Viele Leute wollten mich sehen. Offenbar bin ich doch nicht so unmöglich! 🙂 Den zweiten Termin hatte ich dann auch noch am Flughafen, wo mich ein guter Freund aufsuchte. Ja, so ging es dann sozusagen drei Tage lang… An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die mich getroffen haben. Es hat mich wirklich sehr gefreut, jeden einzelnen von euch zu sehen, wenn auch die Zeit sehr beschränkt war. Und ich konnte nicht halb soviel erledigen wie ich eigentlich wollte! Aber eines habe ich doch noch machen können, für mich etwas wichtiges. Ich konnte all meine gelöschten Fotos aus Namibia wieder retten, jupi! Mir fiel ein Stein vom Herzen. Danke für die vielen Tipps und Aufmunterungsworte, das tat gut. Ich habe übrigens unter dem Beitrag „Namibia / Windhoek + Safari“ die Fotos nachgeladen, falls es euch interessiert. Am Samstag musste ich dann am Morgen wieder auf den Zug, um zum Flughafen zu fahren. Noch schnell die letzten Einkäufe tätigen, durch die Sicherheits- und Passkontrolle. Und ach ja, in letzter Sekunde noch ein Liter Whisky im Duty Free-Laden kaufen, ein Desinfektionsmittel für meinen Magen in Indien. Schon nur der Glaube daran macht seelig. Die Flasche hatte gerade noch Platz in meinem Rucksack. Bei mir ist jeweils jeder Zentimeter berechnet… Es leuchtete bereits das Bording-Zeichen, nichts wie los. Nein, wo ist meine Bording-Karte?! Im Duty Free-Laden vergessen! Schnell zurück, der Verkäufer ist mir bereits entgegen gelaufen, dann zum Midfield Terminal, eine Riesenhorde Menschen. Um die Mittagszeit hat es in Zürich jeweils sehr viele Langstrecken-Flüge. Weiter zum hintersten Gate, wie könnte es auch anders sein. Ein letztes „Adieu“, in den Flieger, durchatmen und ab in die Luft, wenn auch mit einer halben Stunde Verspätung. Meine Mutter meint jeweils, dass ich mal zu spät in den Himmel kommen werde. Aber denkt daran, das Philadelphia-Wölklein gehört dann mal mir, so oder so… Tschüss Schweiz, hello Indien, ich komme, freue mich und bin gespannt, was du mir alles zu bieten hast..

Thema World-Around-Ticket: Ich wurde natürlich viel gefragt, weshalb ich für drei Tage nach Hause komme. Meine Antwort war schlicht und einfach: Flugtechnische Gründe. Aber was steckt dahinter? Wenn man ein World-Around-Ticket kauft, dann ist dessen Kauf an verschiedene Bedingungen geknüpft. Die wichtigsten in Kürze: Man darf nur in eine Richtung reisen, d. h. entweder nach Westen oder Osten. Wie ihr wisst, habe ich mich für die Osten-Variante entschieden. Dann gibt es eine Meilenbegrenzung, die man abfliegen darf, maximal sind es 39’000 Meilen oder gut 60’000 Kilometer. Da ich noch nach Afrika geflogen bin, überstieg die gesamte Strecke, die ich abfliegen werde, diese 60’000 Kilometer. Aus diesem Grund musste ich ein separates Flugticket nach Südafrika und zurück in die Schweiz kaufen. So begann mein World-Around-Ticket erst mit meinem Flug nach Indien. Zudem darf ich maximal 16 Flugstrecken abfliegen, was ich natürlich machen werde. Zur Info bin ich bei 38’400 Meilen. Ihr sieht, ich schöpfe alles voll aus…

Südafrika / Kapstadt und letzte Tage in Afrika

9. – 12. November 2013

9. – 12. November: In Windhoek bin ich also in den Bus gestiegen, und stellt euch vor, ich hatte keinen Sitznachbarn. Der Bus war diesmal halb leer. Somit konnte ich mich voll entfalten… Wie immer am Anfang der Reise das obligate Gebet, the Lord of the Lord wurde wiederum gebeten, uns ganz nach Kapstadt zu bringen. Schon bald ging die Sonne unter, in einem schöneren Kleid hätte sie mich nicht aus Namibia begleiten können, ein wunderschönes rotes Kleid. Wir kamen gegen vier Uhr morgens an der Grenze zu Südafrika an. Also, dieses Szenario muss man schon fast selbst erlebt haben, TIA live. Am besten schaltet man das Hirn aus und macht einfach, was einem gesagt wird. Diesmal waren wir knapp 40 Passagiere, aber bis wir die Grenze passieren konnten war es bereits wieder Tag! Ja, und von der Grenze brauchte der Bus nochmals 9 Stunden, im ganzen waren wir wiederum etwas mehr als 23 Stunden unterwegs. Und the Lord of the Lord hat uns auch diesmal erhört und uns ganz nach Südafrika gebracht. Für das war ich natürlich froh und auch dankbar. Es hatte ein paar interessante Wolken am Himmel und so dachte ich, dass es einen schönen Sonnenuntergang geben könnte. Und ich sollte Recht bekommen. Am besten schaut ihr euch die Bilder selber an. Am nächsten Tag hatte ich einen Strandtag auf meinem Programm. So lief ich mal los Richtung Süden. Ich passierte einige schöne Strände. Nach etwa 10 km kam ich in Camps Bay an, wo es ebenfalls einen tollen Strand gibt. Die ganze Küste ist voll von Traumhäusern, eines schöner als das andere. Ich kam schon fast wieder in Versuchung meinen 10 Billionen Schein aus Zimbabwe einzulösen… 😉 So lief ich auch durch Clifton, das ist einer der Nobelorte von Kapstadt. Dort hat es vier Strände, die von 1 – 4 durchnummeriert sind. Aber jeder Strand hat eine andere Bedeutung. Strand 1 ist für Trendsetter, Strand 2 für Junggebliebene, Strand 3 für Körperbetonte und Strand 4 für Familien. Was denkt ihr wohl, wo ich hängengeblieben bin? Machen wir einen Wettbewerb. Aus jeder richtigen Antwort wird ein Gewinner gezogen. Dieser erhält ein Weihnachtsessen wahlweise am 24. oder 25. Dezember 2013 in Singapur bezahlt von mir! Damit wir uns richtig verstehen, nur das Weihnachtsessen wird bezahlt! Einsendeschluss ist der 30.11.2013. Sendet mir einfach eine Email oder füllt das Kontaktformular aus… Das Meer hier ist bitterkalt, gegenwärtig so 12 – 14° C. Ja, ich gebe es ja zu, ich war nicht im Wasser. Aber zum Sonnenbaden war es alleweil schön warm. Am Nachmittag lief ich dann wieder nach Kapstadt zurück. Für am nächsten Morgen habe ich mir ein Ticket nach Robben Island gekauft. Das ist die vorgelagerte Insel, 8 km von Kapstadt entfernt. Robben Island war lange eine Gefängnisinsel, wo auch Nelson Mandela 13 Jahre inhaftiert war. Heute ist es eine Museumsinsel. Man muss einfach das Ticket ein paar Tage vorher reservieren, sonst hat man keine Chance auf die Insel zu kommen. Zuerst gibt es eine Rundfahrt auf der Insel, danach kann man das Gefängnis, wo Nelson Mandela inhaftiert war, besuchen. Dort wird man oft von ehemaligen Gefängnisinsassen herumgeführt, war ganz interessant. Am Mittag war ich wieder zurück am Hafen von Kapstadt. Ja, und dann musste ich natürlich noch eine weitere Touristenattraktion besuchen, der Tafelberg. Bis anhin habe ich es schlichtweg nicht geschafft! Das letzte Mal als ich vor etwas mehr als drei Wochen hier war, windete es zu stark, so dass der Tafelberg geschlossen war. Man hat ja zwei Möglichkeiten, um da hoch zu kommen. Entweder nimmt man die Gondel, die sich während der Fahrt 360° dreht, oder man geht zu Fuss hinauf, dauert aber 3 – 5 Stunden pro Weg, halt je nach Weg, den man nimmt. Für einmal habe ich mich für die einfachste Variante entschieden und bin mit der Gondel hochgefahren. Von dort hat man natürlich eine grandiose Aussicht über die Stadt. Der Tafelberg wurde ja übrigens als eines der neuen 7 Weltwunder heraus erkoren, das einzige in Afrika. Heute ist mein letzter Tag in Südafrika, fliege ja am Abend nach Hause. Somit geht sozusagen die erste Etappe meiner Weltreise zu Ende. Für mich ein schöner Einstieg in mein Abenteuer, in einem Jahr um die Welt zu reisen. Ich durfte viele schöne Sachen erleben und sehen und bin dankbar, dass mir bis anhin nichts passiert ist. Hoffentlich bleibt das so. Aber ich freue mich auch, schnell nach Hause zu kommen und hoffe, dass ich während den drei Tagen möglichst viele von euch sehen werde. In diesem Sinne bis später!

Thema Nelson Mandela: Wenn man in Südafrika ist, kommt man nicht um diese Person herum. Er ist schlichtweg DIE Figur in diesem Land, er wird natürlich vor allem von der schwarzen Bevölkerung geradezu vergöttert. Er wurde am 18.07.1918 geboren und war schon immer als politischer Aktivist tätig, selbstverständlich kämpfte er gegen die Apartheid. Dies brachte ihn für insgesamt 27 Jahre in Haft. Wenn man heutzutage zurückschaut, fast unglaublich. Hier in Kürze ein paar Fakten: 1991 Entlassung aus dem Gefängnis auf Anordnung des letzten weissen Präsidenten F. W. de Klerk. 1993 Nobelpreisträger, zusammen mit F. W. de Klerk, Wahl 1994 zum ersten schwarzen Präsidenten von Südafrika seit der Apartheid, 1999 gibt er sein Amt ab. Hat immerhin dreimal geheiratet. Ist heute leider gesundheitlich ziemlich angeschlagen, ist aber auch schon 95 Jahre alt.

Veröffentlicht unter Afrika

Namibia / Windhoek + Safari

23. Oktober – 8. November 2013

4. – 8. November: Die halbe Nacht habe ich meinen gelöschten Fötelis nachgetrauert. Eigentlich hätte ich erwartet, dass man vor Ort die Fahnen auf Halbmast stellt, aber eben… 🙂 Schliesslich gibt es schlimmeres, wenn auch das ganze ärgerlich ist für mich. Aber vielleicht gibt es ja noch eine Lösung, und die Fotos können irgendwie gerettet werden. Und ich bin ja wirklich kein Mensch von grosser Traurigkeit, deshalb ging es am nächsten Tag auf ins nächste Abenteuer. In den vergangenen Tagen habe ich mich von der Landschaft inspirieren lassen. Findet ihr nicht auch, dass manchmal auf gewissen Hügeln Winnetou und Old Shatterhand gefehlt haben? Ich habe das auf jeden Fall so empfunden. Deshalb habe ich mir eine zweitägige Reitsafari ausgesucht, um dieses Manko wettzumachen. Zuerst dachte ich, was willst du da als alter „Löu“ auf einen Gaul sitzen… Aber ich bin ja für vieles zu haben. So wurde ich von Sam, die eine Reitschule in der näheren Umgebung von Windhoek betreibt, abgeholt. Nach einer halbstündigen Fahrt kamen wir auf der Farm an und schon kurz danach sass ich auf einem Pferd, Sulten hiess es. Dieses war mein vierbeiniger Begleiter während den nächsten zwei Tagen, und genau ein PS stark. Eine weitere Reiterin schloss sich uns an und nach kurzer Instruktion ging es auf den ersten Ritt. Zuerst Marschieren, dann Trab und nach einer halben Stunde der erste Galopp. Es war herrlich durch die unberührte Gegend zu reiten. Erst kurz zuvor gab es einen Brand, der mehrere Hektaren Land zerstörte. Wir kamen an einer Stelle vorbei, die immer noch brannte. Nach zwei Stunden gab es unterwegs ein Apero, ganz schick fand ich. Also Winnetou und Old Shatterhand hätten mich darum beneidet. Danach ritten wir zurück zur Farm. Gepfust habe ich ebenfalls dort im Guesthouse. Am nächsten Morgen musste ich um 8.30 Uhr auf der Matte stehen. Ein 5 1/2 stündiger Ausritt stand bevor. Jetzt denkt sicherlich jeder an meinen „Allerwertesten“. Um es vorwegzunehmen, so schlimm war es nicht. Ich spürte diesen schon ein wenig. Ich dachte dann, dass es am nächsten Tag schlimmer sein würde, was sich allerdings nicht bewahrheitete. Diesmal waren nur Sam und ich unterwegs. Wir ritten auf einen „Hoger“, um die herrliche Aussicht zu geniessen. Alles war unberührt, kein einziger Mensch begegnete uns. Unterwegs sahen wir viele Vögel, u.a. Schlangenadler, ein Schwarzadler, und andere Tiere wie Paviane, Kudus oder andere Antilopen. Bei einem kleineren Stausee haben wir dann unser Picknick eingenommen. So ritten wir dann wieder hinunter zur Farm, wo mich Sulten wohlbehütet wieder zurückgab. Sulten war wirklich ein liebes und für mich ein leicht zu führendes Pferd. Sam war voller Lob und brachte mich dann wieder zurück nach Windhoek. Und dort schaltete ich mal zwei Gänge hinunter, um mich etwas zu erholen, einfach mal zurücklehnen. Am Freitag steige ich dann wieder in den Bus, der mich nach Kapstadt zurückbringt. Ach ja, letztes Mal waren es ja 23 1/2 Stunden mit einem Elefantenbaby neben mir. Mal sehen, wie es freitags zu und her geht.

Thema Wasser: Das Wasser ist etwas Kostbares, vor allem hier in Afrika. Wir haben bei uns in der Schweiz ja wirklich keine Wasserprobleme. Es ist immer selbstverständlich, dass wir den Hahnen aufdrehen und dass Trinkwasser herauskommt. Hier sieht es etwas anders aus. Zuerst muss man überhaupt Wasser finden, und dann sollte dieses noch einigermassen sauber sein. Wie ihr bereits in meinen Beiträgen lesen konntet, hat es in Namibia teilweise seit 3 Jahren nicht mehr geregnet, wahnsinnig, wenn man sich das vorstellt. Namibia hat aber den Vorteil, dass es viel Grundwasser hat. So gibt es mehr als 80’000 Wasserlöcher, wo das Wasser herausgepumpt wird. Noch vor gar nicht so langer Zeit entdeckte man in Namibia ein Riesen-Grundwasserreservoir, das für die nächsten 400 Jahre reichen sollte. Zudem gibt es auch Stauseen hier, welche rund 30 % der Wasserversorgung sicherstellen. In anderen Ländern und Gebieten Afrikas sieht es jedoch weit düsterer aus. Kaum ein Tropfen Wasser ist zu finden, und wenn, dann noch verschmutzt. Dies löst Krankheiten aus, die bis zum Tod führen. Ich will jetzt aber nicht das schlimmste Szenario beschreiben. In diesem Sinne Prost und schätzen uns glücklich, dass unser Superwasser aus dem Hahn kommt.

 

30. Oktober – 3. November: Von Twyfelfontein ging es am Morgen weiter an die Küste Namibias. Wir passierten den Brandberg, mit 2573 m den höchsten Berg im Land. Nach weiteren abgespulten Kilometern auf Schotterstrassen erreichten wir den Atlantik in Cape Cross. Dort gibt es sehr viele Seelöwen zu besichtigen, je nach Jahreszeit können es bis 100’000 sein. Entsprechend ist der Geschmack, so dass es einem fast den „Deckel“ hebt. Weiter ging’s nach Swakapmund, schlichtweg der Touristenort an der Küste. Dieser Ort wird auch als das südlichste Ostseebad Deutschlands bezeichnet, hat also etwas. Und ich konnte wieder einmal in einem richtigen Bett schlafen, wie herrlich. Es war so richtig kuschelig, halt für einmal ohne Teddybär! 😉 Es blieb Zeit für uns, die wir frei gestalten konnten. Das heisst dann jeweils für mich, eine Waschmaschine suchen, ein paar Einkäufe tätigen, meinen Blog auf Vordermann bringen usw. Obwohl Swakapmund nicht das wirkliche Namibia repräsentiert, so ist es dennoch ein netter Ort, wo es entspannt zu und her geht. Es hat viele deutsche Touristen, viele Cafés, wo man Kuchen essen kann, Biergärten usw. Es ist auch bekannt für Meeresfrüchte und Fisch. So habe ich seit langem wieder einmal Fisch gegessen, schmeckte wunderbar. Der Atlantik hier ist nicht so warm, zur Zeit 14° C, wird auch nicht mehr viel wärmer. In Swakapmund blieben wir für zwei Nächte, ehe unsere Safari weiterging. Wir besuchten noch Walvis Bay, das ist eine Industriestadt mit dem einzigen Tiefseehafen in Namibia. Die Reise führte uns dorthin, weil es auch Flamingos zu sehen gibt. Hopp, in den Bus und weiter ging’s ins Landesinnere, hauptsächlich auf Schotterstrassen, resp. Schlotterstrassen. Da ist dann auch immer die afrikanische Massage gleich inbegriffen. So fuhren wir immer mehr in die Wüste nach Seriem. Das liegt in der Nähe von Sossusvlei, ein grandioser Ort. Aber bevor wir dort ankamen, hatten wir – wie könnte es auch anders sein – wieder mal einen platten Autoreifen. Diesmal war der linke Vorderreifen der Karre an der Reihe. Ach du grüne Scheisse, nicht schon wieder, habe ich gedacht. Aber eben, ist ja nichts neues… 🙂 Wir stellten unsere Zelte für zwei Nächte. Der liebe Gott war offenbar etwas erkältet und musste ziemlich husten, es windete nämlich die ganze Nacht hindurch, das Zelt wurde ziemlich umher geschüttelt. Am nächsten Morgen mussten wir bereits früh aufstehen. Tagwache war um 4.45 Uhr, so dass wir bei Parköffnung um 5.15 Uhr auch gleich weiterfahren konnten. Auf dem Programm stand die Besteigung der Düne 45, um den Sonnenaufgang zu bewundern. Diese Düne ist die 45. Düne im Park und exakt 45 Kilometer vom Parkeingang entfernt. Aus diesem Grund ist sie auch eine grosse Touristenattraktion. Ihr hättet diese Leute sehen sollen, die auf die Düne gelaufen sind. Wie gestochene Hyänen sind sie losmarschiert. Ich habe für mich gedacht, geht nur… Nach 50 Metern im Sand habe ich dann die ersten überholt, die kurzatmig fast umgefallen sind. Zugegeben, es ist ein nicht ganz leichter Aufstieg. Im Sand läuft man einen Schritt vorwärts und gleichzeitig einen halben zurück. Nach etwa einer halben Stunde stand ich dann oben, als einer der ersten und wartete bis der Wecker die Sonne aus dem Schlaf holte. Eigentlich hatte ich mir vom Sonnenaufgang selber mehr erwartet, war nichts spezielles. Aber das Farbenspiel war einmalig. Sobald die Sonne die rötlichen Dünen anlacht, erstrahlen diese in den prallsten Farben. Hinunter ging es dann einfacher. Wir fuhren weiter nach Sossusvlei. Diejenigen, die bereits einmal dort waren, wissen wie es dort aussieht. Es ist schlichtweg der Hammer! Zum einen gibt es dort die höchste Sanddüne der Welt, mit gegenwärtig 330 Metern Höhe. Diese wächst immer mehr, weil sich durch den Wind Sand anhäuft. Zum anderen gibt es die toten Bäume, die seit 700 Jahren wie versteinert dort stehen. Dead Vlei nennt sich dieser Ort. Wir sind dann nochmals auf eine Düne gestiegen, um dieses Naturschauspiel von oben anzusehen. Es ist schlicht, aber einfach gewaltig diese Farben. Der blaue Himmel, die rötlichen Sanddünen, der helle Boden und die fast schwarzen Bäume. Auf diesen Moment hatte ich mich schon lange gefreut, einfach WOW! So fuhren wir nach dem Mittag wieder zurück in unser Camp und konnten uns etwas erholen. Am Abend wurden wir zu einem Canyon gefahren, hat mir auch sehr gut gefallen. Somit war diese Safari praktisch gelaufen. Der nächste Tag stand voll im Zeichen von Kilometern abspulen, um zurück nach Windhoek zu gelangen. In Windhoek angekommen, dachte ich, dass ich meine wirklich tollen Fotos sichern will. Ja, und dann passierte, wovor ich mich fürchtete. Ich habe eine falsche Manipulation gemacht, und schwups waren alle Fotos weg, einfach weg!! Somit kann ich euch leider die für mich schönsten Fotos der bisherigen Reise nicht zeigen, Asche auf mein Haupt! Mir standen fast die Tränen zuvorderst… Ich habe natürlich die vorherigen Fotos bis und mit Etosha NP schon gesichert.

Thema Wirtschaft: In Namibia gibt es drei grössere Wirtschaftszweige. Der grösste ist der Bergbau. Es werden vor allem Uran, Kupfer und Diamanten abgebaut. Die namibischen Diamanten sind von sehr guter Qualität. So werden 98 % der gewonnen Diamanten für Schmuck verarbeitet. Der zweit grösste Zweig ist in der Landwirtschaft mit der Fischerei zusammen zu finden. 90 % der Fische gehen in den Export. Und die drittgrösste Industrie ist bereits der Tourismus. Dieser beschert relativ viele Arbeitsplätze. Dennoch ist die offizielle Arbeitslosenquote mit 52 % sehr hoch.

 

25. – 29. Oktober: Hier in Namibia habe ich also meine nächste Safari gebucht. Man hat hier nicht so viele Möglichkeiten herum zu kommen. So gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder man mietet ein Auto oder man macht eben eine organisierte Tour. Es gibt schon Busse, die einem von einer Stadt zur anderen bringen. Da jedoch die Sehenswürdigkeiten ausserhalb der Stadt liegen, ist man dann eben ein wenig blockiert vor Ort, wenn man kein eigenes Fahrzeug hat. So habe ich mich entschlossen, eine geführte Safari zu machen, die mich zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Namibias führt. Am Morgen des 25. Oktobers hätte ich um 8 Uhr abgeholt werden sollen. Es wurde jedoch eine Stunde später. Vermutlich hatte der Fahrer die europäische Zeit bereits um eine Stunde vorgestellt… 😉 Nein, nein, ich bin mich dies ja hier gewöhnt. Wie mehrfach erwähnt ticken die Uhren hier halt einfach anders. Kaum in Windhoek abgefahren, wurden wir bereits von der Polizei angehalten. Der Fahrer überfuhr das Rotlicht. Auch hier werden dafür Bussen verteilt. Dann gab es eine Riesendiskussion wegen dem Führerschein, der auf einmal weg war… Aber nach einer halben Stunde war auch das geregelt und auf’s ging in die Wildnis. Auf der Tour sind wir für meine Verhältnisse ziemlich viele Leute, 14 an der Zahl. Am ersten Tag fuhren wir erstmals Richtung Norden. Landschaftlich habe ich auch schon interessantere Gebiete gesehen, aber es gibt ja immer etwas zu entdecken. Nach ein paar Einkäufen fuhren wir auf den ersten Campingplatz, der irgendwo im Niemandsland war, jedoch sehr idyllisch gelegen. Vor allem die Toilette und die Dusche sind ein Erlebnis (siehe Fotos). Bald schon wurden wir von einem Safari-Jeep abgeholt, der uns auf eine Pirschfahrt mitnahm. So sahen wir doch einige Tiere. Für mich gab es diesmal nicht mehr neue Tiere zu entdecken, aber es war dennoch schön. Ich finde diese Tierwelt halt einfach cool und interessant. Wir haben ein Prachtsexemplar eines Leoparden und Geparden gesehen. Ich bekam wieder mein eigenes Zelt (langsam frage ich mich, warum niemand mit mir zelten will… ;-)), was natürlich mehr Platz bedeutet. Am nächsten Tag fuhren wir dann in den Osten des Etosha-Nationalparks, ein absolutes Highlight der ganzen Reise. Dieser Nationalpark ist bekannt für die vielen Tiere. Es hat relativ viele Wasserlöcher, die man beobachten kann. Gerade wenn es trocken ist, kommen viele Tiere vorbei. Und wie ich schon geschrieben habe, hat es seit über einem Jahr in Namibia nicht mehr geregnet, beste Voraussetzungen also. Wir haben eine nachmittägliche Fahrt unternommen. Am besten schaut ihr selber, was man alles zu sehen bekam. Es ist auch für euch nichts neues dabei, aber halt doch immer wieder schön, oder?! Den folgenden Tag verbrachten wir vollumgänglich im Etosha NP, fuhren jedoch in den westlichen Teil, wo wir unsere Zelte aufschlugen. Unterwegs immer wieder wilde Tiere. Am 28.10. verliessen wir den Etosha NP, um den Westen Namibias zu erkunden. Findet ihr nicht, dass es schon lange keine Autopanne mehr gab? Keine Angst, die nächste folgte schon bald. Diesmal platzte ein Hinterreifen. Der Schaden war diesmal relativ schnell behoben, gerade mal in 30 Minuten wurde das Ersatzrad montiert. Also, ich glaube, es liegt jetzt dann wirklich an mir, dass es auf meiner Reise immer wieder Pannen gibt! Ich werde auf jeden Fall ein Bewerbungsdossier für den TCS bereitstellen, wenn ich dann wieder zu Hause bin! 🙂 So langsam aber sicher verliessen wir die doch sehr flache Gegend und die ersten Hügel erhoben sich. Wir besuchten ein Himba-Dorf. Die Himbas sind ein ursprüngliches Nomadenvolk, das normalerweise in der Wüste im Nordwesten von Namibia herumzieht. Die Frauen duschen nie, dafür streichen sie ein rötliches Pulver ein, das sie vor der Sonne und von Verunreinigungen schützen sollte. Aus hygienischen Gründen wird das Pulver jeden Tag neu eingerieben. Nie duschen? Auch das gibt es. So ist es halt auch nicht verwunderlich, dass es kein namibisches Model gibt, das für Duschdas oder Fa Werbung macht… Mit grossen Schritten näherten wir uns den Bergen von Namibia. Es ist wirklich sehr heiss hier, so gegen 40° C und auch sehr staubig. Da es eine trockene Hitze ist, hält man es gut aus. Am nächsten Tag fuhren wir für einmal nicht so weit, immer mehr in die Berge. Hier installierten wir uns für die nächste Nacht. Am späteren Nachmittag ging es noch auf eine Besichtigung von Wand- und Steingravuren in Twyfelfontein, die unter dem UNESCO-Kulturerbe stehen.

Thema Namibia: Bevor Namibia 1990 unabhängig wurde, war es unter der Führung von Südafrika gehalten. Bis 1914 war es eine deutsche Kolonie, wobei der deutsche Einfluss immer noch sichtbar ist. So sind viele Geschäfte auf Deutsch angeschrieben. Da gibt es Tischlereien, Biergärten, Bäckereien, Schlachtereien, Autohäuser usw. Deutsch spricht hier jedoch kaum noch jemand. Es soll ja hier viele ehemalige deutsche Offiziere vom zweiten Weltkrieg geben, die nach dem Zusammenbruch des deutschen Reichs emigrierten. Schon auf der Busfahrt von Kapstadt nach Windhoek ist mir aufgefallen, dass ein paar Weisse einen namibischen Pass hatten. Offiziell leben in diesem gut 2-Millionen Einwohner zählenden Land rund 60’000 Weisse.

 

23. – 24. Oktober: Nach der Ankunft mit dem Bus in Windhoek telefonierte ich schnell meiner Unterkunft, so dass mich jemand abholen konnte. In Windhoek blieb ich zwei Tage, bevor es weiterging auf meine nächste Zeltsafari. Es wurde mir bereits gesagt, dass es in Windhoek nicht so viel zu sehen gibt. Das ist tatsächlich so. Aber es ist bei weitem sauberer als beispielsweise in Jo’burg oder Durban. Ich machte mich also auf den Weg, eine Belgierin fragte mich, ob sie sich mir anschliessen dürfte. No problem! Auf einer Anhöhe fragte uns ein Polizist, woher wir denn kommen. Beide aus einem Schockoladenland, sie aus Belgien, ich vom Schwiizerländli. Er meinte zuerst, dass wir Deutsche waren. Also in diesem Fall zeige er uns doch gerne das Gebäude vom Ministerpräsidenten, es sei sehr schön und es werde die Geschichte Namibias in Bildern gezeigt. Nun, ich wusste schon zum voraus, dass man diesem Polizisten dann etwas geben musste, sonst hätte er es ja nicht gemacht… Aber so eine Privatführung bekommt man sicherlich nicht alle Tage offeriert. So folgten wir ihm ein kurzes Stück und hinein ging’s. Es war wirklich sehr schön und interessant, und selbstverständlich füllten wir am Ende der Privatführung seine Hand mit etwas Geld. Jeder schaut halt selber für eine Lohnerhöhung… Bei einem Glas Wein und einem herrlichen Blick auf Windhoek schaute ich der Sonne zu, wie sie schlafen ging. Und schon bald folgte ich ihr nach… Am nächsten Morgen ging ich nochmals in die Stadt, um ein paar Fotos zu machen, da ich am Vortag meinen Fotoapparat gar nicht mitgenommen habe. Im Hostel riet man mir auf gar keinen Fall, den Fotoapparat mit in die Stadt zu nehmen. Ich fühlte mich hier bei weitem viel wohler und sicherer als etwa in Jo’burg. Ich steckte dann den Fotoapparat in einen Plastiksack, um nicht allzu fest aufzufallen. Danach musste ich mein Gepäck parat machen für die 10-tägige Safari, die mich nach fast ganz Namibia bringen wird, ausser ganz in den Norden und in den Süden. Auf wen treffe ich da wohl? Ich freue mich und bin immer für neue Abenteuer bereit. Namibia ist auch bekannt für klare Sternennächte. Ich habe mir extra ein Buch gekauft, welches mir die Sternenbilder beschreibt. Leider habe ich dieses zu Hause vergessen. Falls mir jemand das Buch persönlich bringen möchte, dann nur zu. Freiwillige melden sich bitte vorgängig bei mir…

Thema Malaria: Wenn man nach Afrika reist, dann ist die Frage betreffend Malaria nicht weit weg. So ist es auch in Südafrika und Namibia der Fall. Man muss im voraus abklären, in welches Gebiet man reist, denn nicht überall ist Malaria-Zone, und um welche Jahreszeit. Auf meiner Reise kam der Krüger-Nationalpark in Südafrika und der Etosha-Nationalpark in Namibia (Reisebericht folgt noch) in Frage. Im Krüger NP war noch nicht Malaria-Zeit, in Namibia hätte sie normalerweise sein sollen. Da es jedoch seit mehr als einem Jahr nicht mehr geregnet hat, in gewissen Gebieten sogar seit drei Jahren nicht mehr, und es deshalb sehr trocken ist, sind die Malaria-Mücken nicht vorhanden. Ganz praktisch für mich… Aber was ist eigentlich Malaria? Erreger der Krankheit sind Plasmodien, die sich im menschlichen Körper einquartiert haben. Die weibliche Anopheles-Steckmücke nimmt durch einen Stich Blut eines infizierten Menschen auf und überträgt die Plasmodien durch einen Stich auf einen Gesunden. Es muss allerdings feuchtes Klima herrschen. Das kennen wir ja von Europa her auch. Ich bin froh, dass ich nicht gestochen wurde. Was kann man dagegen tun? Alle sagen dasselbe: Du musst einfach nicht gestochen werden…